Straßenkinder bespielen Stadtteil
Vor dem Margarethenbad wurde gestern die erste Grazer Ferienstraße eingerichtet. Bis Sonntag soll dort nun gemeinsam be- und gelebt werden. Die ersten Rundschau-Resultate.
FERIENSTRASSE" steht in Malkreide geschrieben auf dem Asphalt, groß, nicht zu übersehen. Bunte Buchstaben als gedachte Grenze. Wer sie übertritt, landet im Geidorfer Grätzelgarten. Einem temporären Spielplatz vor dem Margarethenbad. Von Freitag bis Sonntag darf dort die erste Ferienstraße sein, dürfen sich die Grazer in einer für den Verkehr gesperrten Grillparzerstraße ausbreiten. "Erobert euch die Straße zurück!", fordern die Organisatoren und schon ganz kurz nach dem Start des Straßenprojekts beherzen das erste Gäste. Kinder trauen sich an den Händen ihrer Eltern zu den verschiedenen Stationen, Ältere fragen neugierig nach, was hier gerade geschieht.
"Ich bin zufrieden! So soll das sein! Die Generationen sollen sich begegnen, miteinander ein Nachbarschaftsfest feiern!" Claudia Beiser grinst ganz glücklich. Die Aktivistin, die sich im Verein Margerl für den Erhalt des Margarethenbads einsetzt, hat die Ferienstraße zusammen mit Architektin Jördis Tornquist ins Leben gerufen, betrachtet Freitagvormittag zufrieden das bereits sehr lebendige Werk.
Eltern-Kind-Treffpunkt
Kinderwagen werden hinauf- und hinabgerollt, Eltern tauschen sich aus, der Nachwuchs greift sich gegenseitig an die Nasen. Ein Junge trägt einen riesigen Wasserball spazieren, den er an einem der Stände geschenkt bekommen hat. Anstrengend sieht das aus, weil das Plastikspielzeug fast dieselbe Größe hat wie er selbst. Aber egal: Allzu lange findet er den Ball eh nicht spannend, im Wasser zu planschen ist da interessanter. Sieht auch der dreijährige Lorenz so. Seine Mama, Antonia Prohaska, lässt ihn gewähren, in Pfützen traben. "Uns taugt's voll! Solche Aktionen würden wir uns öfter wünschen", sagt Prohaska, die auf dem Arm noch Brüderchen Valentin hält. "Das fehlt in Graz halt: ein richtiger Eltern-Kind-Treffpunkt." Die Großen kriegen einen Kaffee, während die Kleinen beschäftigt sind.
Die Freizeitausbreitung
Ein Wunsch, der sich ohnehin mit Beisers Idee deckt: "Es geht bei der Ferienstraße ja gar nicht darum, dass weiß ich wie viele Leute kommen, sondern dass wir endlich alle einmal so viel Platz für uns haben." Freizeitausbreitung, die in Graz an diesem Wochenende neue Dimensionen erfährt. Die alles zu vereinen versucht, was eine Stadt lebenswert macht. Es gibt Spielraum für Kinder, selbst gebackenes Brot als Stärkung, eine Solarküche zum Staunen und Bücher zum Stöbern, "Hühnertheater" zum Beispiel. Das Heftchen hat sich Eric als Erstes geschnappt, der zweijährige Sohn von Thomas Pachler. Zu zweit sitzen sie in einem Liegestuhl, der eine lässt sich vorlesen, der andere genießt den Urlaub. "Wir wohnen in der Nähe und haben deshalb vorbeigeschaut. Der erste Eindruck ist ganz gut", sagt Pachler. "Und wenn später noch mehr los ist, wird's sicher noch lustiger." Dann drängt Eric, neue Lektüre muss her, "Läusealarm" hört sich vielversprechend an.
Für ein schon etwas größeres Mädchen schaut hingegen der Laufradparcours spaßig aus. Statt ihr Fahrzeug zwischen den verschiedenfarbigen Gummihütchen zu manövrieren, landet sie mit den Reifen immer auf den Hindernissen. Ärgerlich. Aber sie hat ja noch zwei Tage zum Üben.
Features
Fakten
Samstag-Programm u.a. mit:
9.30 Uhr Streetyoga
10-13 und 15-18 Uhr Massagen und Shiatsu
10-13 Uhr Fahrrad-Check
15-17 Uhr Straßenspiele aus Omas und Opas Zeiten
16-20 Uhr Alkoholfreie Cocktailbar mit Rauschbrillen-Parcours
17-20 Uhr Bikepolo
Sonntag-Programm unter anderem mit:
ab 9 Uhr Straßenfrühstück mit Straßenmusik
9-12 Uhr Flohmarkt - Spielsachen und mehr
14-18 Uhr Tischtennis, (Bauern-)Schnapsen, Schach-Turniere
Mehr Informationen:
www.margerl.at

















