Neckermann koppelt sich von Frankfurt ab
Sanierungsverwalter optimistisch: "Das Unternehmen ist für sich alleine lebensfähig." Gesucht wird nach wie vor ein Investor - "entweder ein strategischer Partner oder jemand, der viel Geld hat".

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GRAZ. Das Insolvenzverfahren der Neckermann Versand Österreich AG (NVÖ) schreckt die Kunden nicht ab: Bestellungen im Wert von 250.000 bis 300.000 Euro gehen täglich in der Firmenzentrale in Graz ein. So gut wie alle Wünsche können bedient werden. Denn "die Gespräche mit den Lieferanten laufen bestens", wie Vorstandsvorsitzender Thorsten van der Velten betont.
Bis Anfang Oktober läuft die Angemessenheitsprüfung der beiden bewährten Sanierungsverwalter Norbert Scherbaum und Clemens Jaufer. Den Gläubigern werden vermutlich 20 Prozent Zahlungsquote angeboten. Schwieriger dürfte es werden, das angeschlagene Unternehmen dauerhaft auf gesunde Beine zu stellen. Die Branche wurde durch den Online-Händler Amazon auf den Kopf gestellt, die Überlebensbedingungen sind hart.
Das wichtigste Ziel: "Wir müssen im E-Commerce mindestens die Nummer drei, besser die Nummer zwei sein", sagt van der Velten. Derzeit rangiert man hinter Amazon und Unito (Universal/Quelle/Otto) auf Platz drei. Organisatorisch stellt man die Weichen so, dass man vom insolventen deutschen Mutterhaus künftig nicht mehr abhängig ist. Die hauseigene Werbeabteilung soll alle Kataloge wieder eigenständig in Österreich produzieren. Außerdem sucht man eigene Bezugsquellen für Textilware, die zuletzt überwiegend vom Mutterkonzern in Frankfurt bezogen wurde. Paradoxerweise könnten durch diese Umstellung mittelfristig sogar wieder mehr Arbeitsplätze (derzeit: 304) in Graz entstehen.
"Wir glauben, dass Neckermann Österreich für sich alleine lebensfähig ist", sagen Scherbaum und Jaufer. Gesucht wird freilich ein Investor - "entweder ein strategischer Partner oder jemand, der viel Geld hat".
















