"La Strada" ging auf Tuchfühlung mit der Grazer Bevölkerung
"De Stijle, Want" in der Mariahilferstraße, Kud Ljud in der Feuerbachgasse sowie Berlin auf den Reininghausgründen - "La Strada" ging mit dem Publikum dieses Wochenende auf Tuchfühlung.

Foto © KLZ | Kanizaj
Am Samstag eroberte "La Strada" Graz außerhalb der herkömmlichen Kulturhäuser. Die niederländische Formation "De Stijle, Want" machte die Mariahilferstraße unsicher, die österreichisch-slowenische Formation Kud Ljud die Feuerbachgasse beim Bad zur Sonne. Am Abend ging es dann auf die Reininghausgründe: Die belgische Theatergruppe Berlin brachte "Land's End".
Wo Absperrgitter sind, ist zumeist nichts Angenehmes zu erwarten. Das Schauspiel-Duo "De Stijle, Want" drehte den Spieß um: Sie machten das Absperrgitter zum Entertainmentfaktor. Bei einem kleinen Spaziergang durch die Mariahilferstraße diente das mitgebrachte Absperrgitter als Schlafmöglichkeit, Turngerät oder auch als Musikinstrument. Das zahlreiche Publikum hatte viel zu lachen, wurde auch teilweise in das Geschehen miteinbezogen. Bei allem Spaß bleibt eines: Wer das Absperrgitter hat, hat die Macht.
Die Feuerbachgasse zählt zu den unscheinbaren Gassen im ehemaligen Rotlichtbezirk Grieß. Die Performer von Kud Ljud machten die Straße zu einer Ready-made-Kunstgalerie. Sie stöberten nach "unscheinbaren Auffälligkeiten" und fanden allerlei unbekannte Kunstwerke anerkannter Künstler: Ein vereinsamter Farbklecks wurde Jackson Pollock zugeschrieben, ein Publikumsschrei als Idee der Munch-Tochter Julia verkauft sowie John Cage die Urheberschaft einer zufälligen Klanginstallation angedichtet. Gelungene Fakes, kurios und witzig, oft auch gar nicht so unernst - ein wenig überfordert zeigte sich das Publikum bei der Fülle an Ready-mades.
Reininghausgründe eignen sich wunderbar
Gleich vorab: Die Reininghausgründe eignen sich wunderbar als kultureller Veranstaltungsort. Die alte Architektur der verwaisten Brauerei sowie die Grünanlagen haben eine sehr starke Ausstrahlung. Diese wusste auch die Theaterformation Berlin für ihre schaurige Produktion "Land's End" zu nutzen. In einem Gebäude stellte sie sonderbare Maschinen und Versatzstücke aus, die erst im Nebengebäude konkret Sinn ergaben, denn dort wurde der auf Tatsachen beruhende Mordfall an Robert Vervaque verhandelt.
Schwierig, aber hochinteressant kann man den zweiten Teil des Abends auf den Reininghausgründen beschreiben. Wer ist nun schuld? Die Auftraggeberin, Nelly Vervaque, die ein Verhältnis ihres Mannes nicht mehr ertrug, oder der Auftragskiller, ohne dessen Tat es nicht zur Verhandlung gekommen wäre? Alles mündete in einen furiosen Dialog zwischen Auftraggeberin und Täter. Gespenstisch ruhig blieben die Pausen zwischen den Dialogen, während außerhalb der Halle ein Gewitter tobte, als gäbe es kein Morgen.



















