Neckermann Graz: Hoffnung auf Rettung noch nicht aufgegeben
300 Mitarbeitern droht bei Neckermann in Graz die Kündigung. Die Hoffnung gilt jetzt auch einem amerikanischen Investor - am Freitag sollen wichtige Entscheidungen fallen.

Foto © Fuchs
Das Gelb der Wände wirkt ziemlich trostlos. Vielleicht ist es die ausgeblichene Farbe, vielleicht aber auch das Wissen um die triste Situation im Inneren der Neckermann-Österreich-Zentrale in Graz, das dem Betrachter die tristen Gedanken aufdrängt.
300 Mitarbeiter hat die Neckermann Versand Österreich AG (NVÖ) beim AMS-Frühwarnsystem angemeldet, nachdem es in Deutschland zu einem Insolvenzantrag der Konzernmutter neckermann.de GmbH kam. "In der Grazer Belegschaft dominieren jetzt natürlich Angst und Unsicherheit - keiner weiß, wie es weitergehen soll", erklärt Walter Christian, zuständig für den Bereich Handel in der Gewerkschaft der Privatangestellten. Der Schritt zum AMS sei aber, so Christian, "eine reine Vorsichtsmaßnahme, mit arbeitsrechtlichen Hintergründen".
Zwei Pläne in Schublade
Das betont auch Thorsten van der Velten, NVÖ-Vorstandsvorsitzender, im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. Das Unternehmen wolle man nämlich, so van der Velten, in jedem Fall ohne Mitarbeiterabbau weiterführen: "Wir haben eine motivierte Mannschaft und im ersten Halbjahr gute Zahlen geschrieben."
Das war freilich nicht immer so. In den letzten sechs Jahren konnte man zwar den Umsatz wieder steigern, schrieb aber häufig Verluste beim Betriebsergebnis. Deswegen habe man laut van der Velten die Firmenstrukturen verschlankt und effizienter gestaltet. Von der deutschen Konzernmutter sei man aufgrund starker finanzieller Verflechtungen, "bedingt abhängig". Man könne aber "auch eigenständig funktionieren". Nach einem etwaigen eigenen Insolvenzverfahren oder durch Investorenhilfe. Beide Konzepte liegen in der Schublade des NVÖ-Vorstandes, in beiden Konzepten behauptet das Management, ohne Mitarbeiterabbau auszukommen.
Der Betriebsrat wollte sich zur Causa nur dezent äußern und ließ auf Anfrage ausrichten, dass sich durch die "Klarstellung des Vorstandes" am Dienstag die Situation vorerst einigermaßen entspannt habe.
Dem Vernehmen nach hofft man bei NVÖ auf Sun Capital als Investor. Das amerikanische Unternehmen hat als Eigentümer der deutschen Mutter dort zwar vorerst den Geldhahn zugedreht, könnte aber in Österreich Geld zuschießen, wenn man das Versandgeschäft nur noch über den Online-Bereich abwickelt. Am Freitag soll es dahingehend erste Entscheidungen geben.
















