Helikopter, Hengste, Hollywood
Die Dreharbeiten für eine Lipizzaner-Dokumentation der Servus-TV-Filmreihe "Terra Mater" führten das Filmteam auf die Stubalm.
1 / 25
Noch ist es finster. Schwaches Licht tritt aus den Stallungen neben dem "Soldatenhaus". Frühstückszeit für die jungen Lipizzanerhengste, die hier auf der Stubalm ihren Sommer verbringen. Knapp nach halb fünf Uhr morgens ist es, als Regisseur Michael Schlamberger, Kameramann Irmin Kerck und Hubschrauberpilot Martin Pfeifenberger auf der Alm eintreffen. Hier, wo heute ein Drehtag für die Dokumentation "Lipizzaner -Könige und Krieger" stattfindet.
Das Filmteam steigt in den Hubschrauber, der schon seit dem Vortag bereitsteht. An der Vorderfront ist eine Kamera befestigt, die von innen gesteuert werden kann. Zwei Pferdewärter des Bundesgestüts Piber treiben die Hengste vom Stall hinaus auf die 50 Hektar große Weidefläche. Zwei andere werden die Tiere oben, nahe dem Almwirtshaus "Altes Almhaus", empfangen.
Während das Gipfelkreuz des Brandkogels vom rot schimmernden Himmel perfekt in Szene gesetzt wird, galoppieren 41 Junghengste - die zukünftigen Stars der Wiener Hofreitschule - über eine Kuppe. Über ihnen ratternde Rotoren des Helikopters. Das Rudel läuft nach vorne, nach hinten. Der Hubschrauber scheint ihnen nichts auszumachen. Ein Hengst büxt aus der Gruppe aus. Nähert sich neugierig dem in der Luft stehenden Helikopter. Pferdewärter Peter Schützinger lacht: "So ein Lauser."
Technik nicht spürbar
Nach gut eineinhalb Stunden hat das Filmteam die Aufnahmen im Kasten. Im Almwirtshaus wird gefrühstückt, das Material von den drei Bänden sofort überspielt. Auf einem kleinen Monitor sind die Pferde zu sehen, galoppierend durch das hohe Gras. Von der Technik dahinter ist nichts zu spüren.
"Für mich waren die Lipizzaner früher wie die Mozartkugeln. Einfach ein österreichisches Tourismusklischee", schmunzelt Schlamberger, der in der Grazer Umlandgemeinde Judendorf-Straßengel lebt. Diese Meinung hat er überworfen. Es stecke eine hohe, über Jahrhunderte gewachsene Kunst dahinter, sagt er. Um diese filmisch darzustellen, begab sich der gelernte Mediziner im letzten Jahr nicht nur nach Piber und in die Spanische Hofreitschule nach Wien. Der Film führte ihn und sein Team bis nach Marokko, wo bei den Berberpferden der Ursprung für den Lipizzaner liegt.
Bis Ende des Jahres soll der Film, den Schlambergers Produktionsfirma ScienceVision gemeinsam mit Satel Film produziert, fertig sein. Hollywoodfilm ist es zwar keiner, dennoch wird er im nächsten Jahr auch im amerikanischen Fernsehen zu sehen sein. Dabei wird nicht nur die Geschichte der Pferde beleuchtet. Schlamberger erklärt, dass die gesamte europäische Entwicklung mit den edlen Vierbeinern verknüpft ist: "Den Leuten ist gar nicht mehr bewusst, wie Pferde unsere Kultur prägten."



















