Die Kirche macht sich auf den Weg
Wie vielfältig Glaube in der Steiermark gelebt werden kann, will die Diözese Graz-Seckau auf ihrem "Diözesanen Weg" erkunden.

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Der Weg der katholischen Kirche ist zuletzt oft ein steiniger gewesen - Missbrauchsfälle oder Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen sind nur zwei Schlagworte dazu. Neue Pfade will nun die katholische Kirche in der Steiermark beschreiten: "Wir beginnen heuer im Herbst mit dem ,Diözesanen Weg'", berichtet Andrea Kager-Schwar, Generalsekretärin der neuen Aktion. Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt: Vor genau 50 Jahren wurde das Zweite Vatikanische Konzil eröffnet (siehe rechts). Marschieren will man damit Richtung Zukunft: "Es geht uns um das künftige kirchliche Leben", betont Kager-Schwar.
Stehen soll die Aktion auf zwei Pfeilern: Der eine sind überregionale Projekte wie "Pilgern 800", bei dem Interessierte einige der insgesamt 800 Tage unterwegs sind, um Kontakte mit unterschiedlichen Menschen zu knüpfen. "Damit wollen wir zeigen, dass Kirche auch hinausgeht." Der Einzelne gehe ein Stück dieses Weges mit.
Vom Vatikanischen Konzil zum 800. Geburtstag der Diözese
Das Zweite Vatikanische Konzil - es dauerte vom 11. Oktober 1962 bis zum 8. Dezember 1965 - ist für viele Menschen Vergangenheit. "Es ist aber auch Gegenwart und Zukunft", betont Georg Plank, Sprecher der Diözese Graz-Seckau. Gegenwart, weil die Vielfalt der Kirche heute durch das Konzil damals ermöglicht wurde.
Die Öffnung der Kirche für alle gesellschaftlichen Bereiche sei dafür ausschlaggebend gewesen. Kirche sei heute stärker denn je präsent im Sozial- und Bildungsbereich, in der Entwicklungszusammenarbeit und der Beratung, im interchristlichen und -religiösen Dialog. Das Zweite Vatikanum hat Kirche zunächst als Sakrament, als Zeichen und Werkzeug, und als pilgerndes Volk Gottes verstanden. Jeder Getaufte ist Kirche. "Dieser Prozess ist im Kern unumkehrbar", erklärt Plank.
Am Ende des Diözesanen Wegs steht die 800-Jahr-Feier der Diözese Graz-Seckau. Sie zählt nach Salzburg und Gurk-Klagenfurt zu den ältesten Bistümern in Österreich. 871.461 Steirer - 72 Prozent der Bevölkerung - gehören der katholischen Kirche an. Sie ist damit die größte Religionsgemeinschaft im Land. "Wir wollen aber nicht nur feiern, sondern uns ehrlich der Vergangenheit stellen." So soll etwa die teils schwierige Beziehung hin zu Protestanten und Arbeiterschaft aufgearbeitet werden. "Durch die Verbindung der Reformen des Konzils mit der 800-jährigen Geschichte der Diözese wollen wir diese Zeichen der Zeit im Licht des Evangeliums deuten und die Weichen für die Zukunft stellen."
Der zweite Pfeiler sind acht Regio-Teams aus Ehren- sowie Hauptamtlichen, Priestern und auch kritischen Katholiken. Damit will man auf die unterschiedlichen Herausforderungen in den einzelnen Teilen der Steiermark reagieren: "In einer Tourismusregion gibt es andere Bedürfnisse als in einer Industriezone oder im urbanen Raum." Auch bei der Seelsorge werde sich schon aufgrund des Priestermangels einiges ändern müssen, die Versorgungsmentalität à la "der Pfarrer, die Pastoralassistentin oder die Religionslehrerin werden schon machen" sei nicht mehr zeitgemäß. Jeder Getaufte sei dazu aufgerufen. "Dann wird Kirche lebendig", ist Kager-Schwar überzeugt. Deshalb soll es auch keine Lösungen von oben geben: "Die Leitungsebene ist bereit, zuzuhören und daraus Konsequenzen für die Zukunft zu ziehen."
Die Generalsekretärin hofft, mit den neuen Konzepten den unterschiedlichen Bedürfnissen wie regelmäßigem Besuch der Sonntagsmesse versus Mitfeiern bei Taufen oder Hochzeiten in der eigenen Familie ebenfalls besser gerecht zu werden. "Die äußere Form kann ganz unterschiedlich sein, wichtig ist, dass wir nicht den Kern aufgeben, der uns verbindet: das Evangelium." "Heiße Eisen" wie wiederverheiratet Geschiedene sollen nicht im Zentrum stehen, aber auch nicht verdeckt werden.
Nicht jammern
Gestartet wird die Aktion am 14. Oktober in der Grazer Stadthalle. Impulse kommen dabei von Zukunftsforscher Matthias Horx und Veronika Prüller-Jagenteufel, Pastoralamtsleiterin der Erzdiözese Wien. In der Bundeshauptstadt sind mittlerweile weniger als 50 Prozent der Einwohner Katholiken. "Wir wollen nicht jammern, wir wollen analysieren", stellt Kager-Schwar klar. Am Ende des Weges 2018 - in diesem Jahr feiert die Diözese ihr 800-jähriges Bestehen - soll ein Schlussdokument stehen. Arbeitstitel: "Kursbuch Kirche".
Features
Fakten
Zur Startveranstaltung am 14. Oktober in der Grazer Stadthalle kann man sich folgendermaßen anmelden: online unter: www.katholische- kirche-steiermark.at; telefonisch: (0 316) 80 41-800; per Post: Diözesaner Weg, Bischofsplatz 4, 8010.
Der Eintritt ist frei; Platzkarten werden gemäß dem Einlangen der Anmeldungen vergeben.
















