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Zuletzt aktualisiert: 20.07.2012 um 08:21 UhrKommentare

Wenn Grazer im Netz protestieren

Der jüngste Wirbel rund um die Holding Graz zeigt, wie sehr das Internet längst als Protestbühne dient. Und wie professionell gerade die Holding Graz darauf reagiert.

So kann's gehen: Wegen massiver Kritik auf Facebook trat die Holding Graz kürzlich mittels Blog in einen Dialog mit den Kritikern

Foto © FuchsSo kann's gehen: Wegen massiver Kritik auf Facebook trat die Holding Graz kürzlich mittels Blog in einen Dialog mit den Kritikern

Es gab keine erbosten Anrufe, keine E-Mails - und doch brach an diesem Mittwoch ein mittelschwerer Sturm über die Holding Graz herein. Einer, der virtuell und real war: Auf der Internet-Plattform Facebook machte am Mittwoch ein Mann seinem Ärger über die Öffis Luft - ein Schritt, den in kürzester Zeit mehr als 1800 andere mit einem "Mir gefällt das"-Klick lobten. Und mit einzelnen Kommentaren (wir berichteten).

Fakten

Nagl auf Facebook: Auch der Grazer Bürgermeister hat eine Facebook-Seite - und auf der häufen sich in letzter Zeit die Klagen. Es geht dabei um Lokalschließungen und neue Verbote. Reaktionen vonseiten des Stadt-Chefs gibt es keine, das erhitzt die Gemüter noch mehr. Auf Nachfrage ist Nagl-Sprecher Thomas Rajakovics erstaunt: "Die Seite gibt es noch?" Nachdem sich Nagl aus Zeitgründen nicht mehr selbst auf Facebook einloggt, hat die ÖVP das Updaten übernommen. Wohl nicht sehr engagiert . . .

Gegen Umweltzone: Die Facebook-Gruppe "Gegen die Grazer Umweltzone!" zählt mittlerweile an die 4800 Mitglieder. Sie bezeichnet sich selbst als Gruppe "von und für Bürger", als "Protestgruppe". Es steckt also offiziell keine Partei dahinter. Stimmung hat die Gruppe - wie vom Namen abzuleiten - gegen eine geplante Umweltzone gemacht. Nachdem diese bei der Bürgerumfrage mit deutlicher Mehrheit abgelehnt worden war, zeigen sich die Mitglieder zufrieden.

Gegen Verbotszone: Anfang Juli gegründet, zählt "Graz darf nicht zur Verbotszone werden!" auf Facebook bereits über 1400 Mitglieder. In der öffentlichen Gruppe werden nicht nur Zeitungsartikel sowie Neuigkeiten ausgetauscht - sondern auch Ideen. So beschäftigen sich die Mitglieder mit der Frage, welche Aktionen sie gegen die "Verbotsstadt Graz" setzen könnten. Eine der Ideen: "Die Grazer Verbots-App (. . .) Abhängig vom Standort sieht man sofort, was man hier besser nicht macht."

Laut Experten ist dies nur ein Beispiel von vielen: Mündige Grazer Bürger protestieren vermehrt im Internet. Gegen einzelne Unternehmen, aber auch gegen Entscheidungen der Politik (siehe unten). Und dank populärer Internet-Plattformen finden sie innerhalb von Minuten Mitstreiter - und üben so Druck aus. "Facebook eignet sich besonders gut für Proteste, weil fast jeder ein Profil hat und ich so eben fast jede Person erreichen kann", sagt Heinz Wittenbrink, Social-Media-Experte vom Grazer "Web Literacy Lab". Und weiter: "Außerdem hat Facebook eine hohe Glaubwürdigkeit. Wenn mir Freunde eine Gruppe empfehlen, trete ich wahrscheinlich bei."

Seitens der Holding Graz ist man auf jeden Fall gewappnet. "Es gibt von uns sowohl eine eigene Facebook-Seite als auch eine ,Fehlersuche' auf unserer normalen Homepage", betont Holding-Sprecher Gerald Pichler. "In beiden Fällen treten wir auf diese Weise mit Kunden in einen Dialog, unsere Mitarbeiter machen das rund um die Uhr. Und gerade junge Menschen nehmen dieses Angebot gewaltig an."

So spielte sich auch der Mittwoch-Protest zunächst auf der Facebook-Seite der Holding ab - als es aber langsam eng wurde, kanalisierte die Holding das Ganze in einen eigenen "Shitstorm"-Blog auf ihrer Homepage.

"Die bestmögliche Reaktion", stellt Wittenbrink lobend fest. Treten massive Online-Krisen auf, helfe eben nur mehr absolute Transparenz. "Das Unternehmen muss zeigen, dass es mit der Kritik umgehen kann und sie auch annimmt." Genau das habe die Holding getan.

Damit es beim mittelschweren Sturm bleibt und kein "Shitstorm der Verwüstung" folgt . . .

SABRINA LUTTENBERGER, MICHAEL SARIA

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