Wie weit darf der Tierschutz gehen?
Die Schweinebauern wehren sich gegen Tierschützer, die nachts in ihre Ställe eindringen. Die Aktivisten verteidigen ihr Vorgehen.

Foto © MONTAGE: XPRESS, KANIZAJ Was ist echt, was Fassade? Aktivisten demonstrierten in Graz gegen Intensivtierhaltung. Ihr Vorgehen sorgt bei Bauern und in der Öffentlichkeit für Kontroversen
Unter den Bauern ist die Verärgerung groß. "Wie würden Sie sich fühlen, wenn bei Ihnen in der Nacht jemand einbricht, Fotos macht und die Bilder dann veröffentlicht?", entrüstete sich ein südsteirischer Schweinebauer bei der Kleinen Zeitung. "Die dringen einfach in unsere Ställe ein, warum müssen wir uns das gefallen lassen?", schreibt ein anderer Landwirt.
"Die", das sind Tierschutzaktivisten des Vereins gegen Tierfabriken (VgT), die jüngst Bilder aus 20 steirischen Schweinemastbetrieben veröffentlichten, um die dortigen Haltebedingungen aufzuzeigen. Gemacht wurden die Fotos offiziell von "Unbekannten", die nachts in die Ställe eingestiegen sind. Und der VgT legte noch nach. Vor einer Woche demonstrierten mehrere Hundert Menschen, bestückt mit heimlich aufgenommenen Schweinestall-Fotos, auf dem Grazer Hauptplatz für höhere Tierschutzstandards und gegen neue Großmastställe. Und zwei Tage später veröffentlichte der VgT in Wien abermals Bild- und Videomaterial aus ostösterreichischen AMA-Betrieben - entstanden großteils nachts, ohne Wissen und sehr zum Ärger der betroffenen Bauern.
Die jüngste Offensive der Tierschutzaktivisten wirft die Frage auf: Wie weit darf Tierschutz gehen? Ist es zulässig, nachts in Privatgrundstücke einzudringen, um mutmaßlichen Missständen nachzuspüren - oder auch nur, um auf die gesetzlich gedeckte Realität hinter den Stallmauern aufmerksam zu machen?
Die Kleine Zeitung hat den VgT und die Landwirtschaftskammer Steiermark gebeten, zu dieser brisanten Frage Stellung zu beziehen.


















