Tanztheaterfestival: Körper, die Kopf stehen
Tanz findet Stadt. Und Besucher verharren im Joanneumsviertel. Geglückter, rasanter Auftakt des Internationalen Tanztheater- festivals in Graz.
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Der Hof im Joanneumsviertel starb seit seiner Eröffnung letzten November schon viele Tode. Wie Tanztheater die Menschen auf die Straße holen und zum Stehenbleiben "zwingen" kann - Sonntagabend erlebten alle Nörgler bei der Eröffnung des 21. Internationalen Tanztheaterfestivals der Bühnenwerkstatt eine Lehrstunde.
Touristen drängelten sich mit Politikern, Gastgartensitzern und Tanzzusehern um die vordersten Plätze an den Licht-Trichtern. Von einem zum anderen. Bespielt wurden große Teile des Hofes, die Sitzplätze ebenso wie die Graskreise. Aber wie! Zeitgenössischer Tanz in zeitgenössischer Architektur offenbart geniale Einblicke aus unterschiedlichen Perspektiven: von oben, von unten, durch Glas oder gespiegelt. Es ist eine bitte unbedingt fortzusetzende Kombination. Punkt.
Auf der Rolltreppe - starr, mit Unterschenkeln oder Unterarmen angelehnt, gebückt und zeitungslesend - stellten sich alle Tänzerinnen und Tänzer in einem bahnhofsähnlichen Abfahrts- und Ankunftszwischenzustand ("Reminiszenz an Mario") vor. Eine Performance jagte die andere.
Wie Spiderman auf Speed
In einer eigenen Liga bewegen sich die Mitglieder des russischen Do-Theatres. Die Körperschwerstarbeiter gaben eine Preview auf ihr Stück "Sin Agua", das sie am Freitag im Lesliehof zeigen. Körper, die sich dehnen, strecken, sich wie Wellen aufbäumen oder wie Spiderman auf Speed am Glas verhalten. Eine ganz eigene Klasse für sich.
Ebenso wie "Raubtier" Isael Mata Cruz aus Venezuela, dessen Sprünge, Drehungen, Handstände mittels angewandter Flying-Low-Technik von unglaublicher Konzentration und beinah schwerelose Bodennähe zeugen.
Zoi Efstathiou ließ im Finale ihres aussagestarken Solos "Gingerbrad Man" über missbrauchte Frauenkörper viele bunte Luftballone steigen.
Guten Flug, Tanztheater!



















