"Gabriel dachte, er stirbt"
Liftunfall beim LKH: Vater weiß nicht, wie er Behandlung bezahlen soll - der Venezolaner ist nicht versichert. Der Vierjährige Gabriel hat schon einiges an Operationen mirgemacht.

Foto © JÜRGEN FUCHS Der Arm scheint gerettet. Doch der Unfall habe seinen Sohn Gabriel traumatisiert, sagt Gilberto Parella
Erst vier Jahre ist Gabriel alt, doch der kleine Bub aus Venezuela hat schon so viel mitgemacht. Mit einem halben Jahr wurde ihm ein Krebsgeschwür entfernt, danach drei erfolglose Operationen an der Harnröhre. Am Klinikum Graz suchte sein Vater Gilberto Parella diese Woche einen Urologen auf, der Gabriel erneut operieren sollte. Doch das ist jetzt hinfällig.
Der Vierjährige liegt mit einem dick eingebundenen Arm in seinem Bett in der Kinderchirurgie. "Ich hatte Angst, dass er den Arm verliert", sagt sein Vater. Und schildert, wie es am Mittwoch zu dem schweren Unglück am Lift im LKH-Eingangszentrum kam: "Es waren noch zwei, drei Leute in der Kabine. Gabriel stand nicht in der Nähe des Spalts." Als die gläserne Schiebetür im Erdgeschoss zur Seite glitt, habe sie sein Sohn berührt. "Doch die ging nicht langsam auf, sondern mit Kraft und sehr schnell." Gabriel sei richtig mitgerissen worden, sein Arm im nur wenige Zentimeter breiten Spalt zwischen Tür und Liftkabine verschwunden.
Wie ein Albtraum
Flach wie ein Lineal sei Gabriels Unterarm gewesen, schildert sein Vater. Zusammen mit Passanten habe er verzweifelt versucht, den Buben zu befreien. "Wir wollten die Tür wegdrücken, doch das Glas war zu stark. Ich versuchte es einzutreten, es ging nicht." Immer wieder sei die Tür auf und zu gegangen, es gab keinen Knopf, die die Automatik stoppte. "Es war zum Verzweifeln, wie ein Albtraum", sagt Parella. Alle wollten helfen, doch keiner wusste, wie. Als der Lift sich dann auch noch in Bewegung setzte, lösten sich bereits Haut und Gewebe vom Armknochen. Gabriel schrie vor Schmerzen. "Er dachte, er muss sterben."
Auch die inzwischen eingetroffene Betriebsfeuerwehr und das Notarztteam hätten zunächst nicht gewusst, wie sie den Lift stoppen können. Das gelang erst, als ein Techniker in den Schacht stieg und die Stromzufuhr kappte. Dann ließ sich plötzlich auch die Tür wegdrücken. Parella schluchzt: "Ich sah Gabriels Arm nur leblos herunterhängen."
In einer Notoperation konnten ihn die Ärzte am LKH retten. Mindestens eine Woche noch muss der Bub im Spital bleiben. Doch sein Vater weiß nicht, ob er die Behandlung und den Aufenthalt bezahlen kann - der Venezolaner ist nicht versichert. Er sagt: "Es war ja nicht unser Verschulden, dass das passiert ist."
Darauf pocht ihrerseits auch die für das Eingangszentrum zuständige Immobilienfirma, der Lift sei zudem erst am Vortag gewartet worden. Wie berichtet, fanden auch die Techniker des TÜV keine Fehler an der Anlage.
















