Im Erbstreit mit der Justiz
Fünf Jahre hält ein Sachwalterschaftsstreit eine Grazer Familie mit Wurzeln nach Bulgarien in Atem. Just ein Mitarbeiter der Anklagebehörde rittert mit der Familie um den Nachlass einer Grazerin.

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Eine Handvoll Richter, drei Anwälte, diverse Anzeigen und eine Räumungsklage markieren den Konflikt. Dieser hat sich mittlerweile zum handfesten Erbstreit ausgedehnt. Pikant: Ausgerechnet bei der Anklagebehörde arbeitet die Gegenseite, der letzte Sachwalter der alten Dame. "Ein Justizmitarbeiter als Sachwalter, da sind die Probleme vorprogrammiert", schüttelt Franz Unterasinger, der Anwalt der Familie, den Kopf. "Eine Belastung", nennt ebenso der Advokat des Sachwalters die jahrelangen Konflikte.
Erbe von 135.000 Euro
Der aktuelle Rechtsstreit tobt um ein altes Haus mit Grund sowie etwas Barvermögen - in Summe rund 135.000 Euro - von einer heuer im Alter von 93 Jahren Verstorbenen. 2006 hat die Frau ihren bulgarischen Neffen, seine Frau und die Nichte notariell als Erben bestimmt. Bloß kann der Sachwalter nun ein handschriftliches Testament aus 2002 vorweisen, das ihn begünstigt. "Das hat uns selbst überrascht", so der Anwalt des Justizmitarbeiters. Seiner Ansicht nach sei das Testament von 2006 ungültig. Denn die Betroffene "war damals schon demenzkrank und in Behandlung. Sie brachte Personen und Orte durcheinander, war also nicht testierfähig". Verwunderlich sei für den Juristen, wie eine Kranke dennoch ein so detailliertes Testament aufsetzen konnte.
2. Testament aufgetaucht
Angehörige, Notar und Anwalt Unterasinger betonen indes, dass die alte Dame sehr wohl ihn der Lage gewesen ist, ihre Angelegenheiten zu regeln. Sie wundert, dass "der Sachwalter vor Gericht erklärt hatte, keine Erbansprüche zu stellen". Doch später "taucht zufällig im Schließfach des Sachwalters noch ein Testament auf." Resultat: "Das wird ein Sachverständiger klären müssen", sind sich beide Seiten ausnahmsweise einig. "Wir wollen sicher nicht erbschleichen", unterstreicht der Vertreter des Sachwalters.
Anzeigen, Vorwürfe
Dieser hat mittlerweile die dritte Anzeige am Hals, die Kärntner Behörden prüfen Vorwürfe gegen den steirischen Justizmitarbeiter. Zwei Verfahren wurden zwar eingestellt, dennoch ist das Ganze für den Betroffenen sehr unangenehm. 2010 behandelte das Parlament den Fall der Grazerin und des Justizmitarbeiters.
Dieser hat 2007 die Sachwalterschaft der alten Dame übernommen. "Konflikte waren absehbar", so Unterasinger. Und wirklich: Es gab Streit mit der Familie und dem ersten Sachwalter. Dieser wurde wegen angeblich fehlender Wertgegenstände angezeigt - und freigesprochen. Der bulgarische Neffe und seine Frau, die zu ihrer Tante nach Graz gezogen waren, um sie zu pflegen, erhielten eine Räumungsklage. Doch das Verfahren zog sich in die Länge, Richter erklärten sich für befangen. "Unzumutbar für alle", sagt auch Unterasingers Kontrahent. Neffe und Gattin wohnen bis heute im Haus.














