Antonin Dvoráks "Stabat mater" bei der styriarte
Mit seiner glühenden Interpretation von Antonin Dvoráks "Stabat mater" bescherte Nikolaus Harnoncourt der "styriarte" eine Sternstunde.
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Auf dem Barhocker an der Rampe hat er nie Platz genommen. Ungeachtet der brütenden Hitze im Stephaniensaal dirigierte Nikolaus Harnoncourt auch mit 82 Jahren im Stehen. Mit Antonin Dvoráks "Stabat mater" bescherte er der "styriarte" eine Sternstunde. Seine in der sorgfältigen Abstufung der zehn langsamen Grundtempi ziemlich genau an den Metronomangaben orientierte, innerlich glühende Interpretation setzt Maßstäbe.
Neigen tschechische Dirigenten zu saftiger Darstellung, so entwickelt Harnoncourt seine Interpretation aus der Stille heraus. Mit gutem Grund, beginnen doch vier der zehn Sätze piano, vier weitere gar pianissimo und neun von ihnen klingen im dreifachen Piano aus. Auf dieser Basis gewinnen die drei großen Crescendo-Aufschwünge des ersten Satzes enorme Wucht und die Verheißung des Paradieses im Finale strahlenden Glanz. Schmerz ist der Übergang zur Seligkeit, lautet die vom Dirigenten so nachhaltig unterstrichene Botschaft.
Tonsymbolik
Als profunder Kenner barocker Rhetorik hebt Harnoncourt mit dem wunderbar differenziert musizierenden Chamber Orchestra of Europe natürlich die Tonsymbolik der 1876/77 entstandenen Partitur hervor. Zu Beginn das in Oktaven aufsteigende Unisono-Fis, das Marias standhaftes Ausharren unter dem Kreuz versinnbildlicht, und die in verminderten Intervallen sinkende Klangfigur, die ihren demütig ertragenen Schmerz ausdrückt.
Den mittelalterlichen lateinischen Text der ausführlichsten aller "Stabat mater"-Vertonungen verständlich zu transportieren, ohne den Kommentar des Orchesters zu übertönen, bedarf jener sorgfältigen Klangbalance, die Harnoncourt mit dem ausgeglichen singenden Arnold Schoenberg Chor perfekt gelang. Er stellte sie in den Dienst einer betont durchsichtigen Interpretation, die von der Möglichkeit Gebrauch macht, statt einer verdickenden Orgel den Klangreiz eines Harmoniums einzusetzen.
Ausdrucksstark sangen die Solisten: Luba Orgonáová mit innig schwebenden Soprantönen, Elisabeth Kulman mit dunkler Fülle, Saimir Pirgu mit großer dynamischer Spannweite und Ruben Drole mit kraftvollem Bass.
Features
Fakten
"Stabat mater" von Dvorák im Grazer Stephaniensaal: 30. Juni und 1. Juli, 20 Uhr. Restkarten: Tel. (01) 825 000.
Im Fernsehen: Samstag, 21 Uhr, ORF III.
Im Radio: 15. Juli, 11 Uhr, Ö 1.


















