Jetzt gehen die Tierschützer in die Offensive
Neuer Wirbel um die Bedingungen in der heimischen Schweinehaltung. Tierschützer planen Offensive mit Protestkundgebungen und zeigten 20 steirische Mastbetriebe an. Kammer wehrt sich.

Foto © APAStreitpunkt Schweinemast: Tierschützer kritisieren die Zustände, Bauern wehren sich und verweisen auf strenge Kontrollen
Der Anlassfall beschäftigt die Bewohner von Attendorf seit mehreren Jahren. Ein Landwirt in der Gemeinde, zehn Kilometer südöstlich von Graz, will im Freiland und Hochwasserschutzgebiet einen Schweinemastbetrieb für 1080 Tiere bauen. Bürgerinitiativen und Tierschützer laufen Sturm und warnen vor Gestank, Lärm und "einer Tierfabrik". Der Verein gegen Tierfabriken (VgT) nimmt die Diskussion zum Anlass, eine Offensive gegen die Bedingungen in der Schweinehaltung zu starten.
Rund 840.000 Schweine leben in den steirischen Ställen. Während ihre Zahl über die Jahre konstant ist, werden die Betriebe immer weniger. 1980 gab es im Land noch 53.000 Schweinebauern, heute sind es weniger als 8000. Entsprechend gewachsen sind die einzelnen Wirtschaften. "Die Tiere leben teils unter fürchterlichen Bedingungen. Viele Konsumenten wissen das gar nicht", sagt David Richter vom VgT.
20 steirische Schweinemastbetriebe, die das AMA-Gütesiegel tragen, hat der Verein nun nach eigenen Angaben unter die Lupe genommen - und allesamt angezeigt. "80 Prozent wegen unhygienischer Bedingungen, 70 Prozent wegen fehlenden Beschäftigungsmaterials für die Tiere und 20 Prozent wegen Überbelegung", sagt Richter. Dabei seien die gesetzlichen Auflagen mit 0,7 Quadratmetern Platz für ein 110-Kilo-Schwein ohnedies gering.
Josef Polz von der Vermarktergemeinschaft Styriabrid kann diese Kritik nicht nachvollziehen. "Mehr Platz verursacht Kosten, und die können die Betriebe kaum aufbringen." Das Projekt in Attendorf mit mehr als tausend Schweinen sei für heutige Verhältnisse durchschnittlich dimensioniert. "Wir haben auch Mitglieder mit 2500 Schweinen. In Deutschland sind die Betriebe noch fünf Mal größer", sagt Polz.
"Keine Nachteile"
Scharf reagiert die Landwirtschaftskammer. Die Betriebe würden strengstens kontrolliert, von Missständen könne keine Rede sein. "Diese Aktionisten brechen in Ställe ein und verschrecken die Tiere", kritisiert Sprecherin Rosemarie Wilhelm. In Attendorf würden Gutachter bestätigen, dass es keine Nachteile für die Bevölkerung gebe.
Bei der örtlichen Bürgerinitiative sieht man das anders. Am Samstag ruft man mit dem VgT zur Demo auf den Grazer Hauptplatz. Aktionistischer Höhepunkt: Zwischen 11 und 12 Uhr sollen 1080 Menschen auf derselben Grundfläche stehen, die für die Schweine in Attendorf vorgesehen ist. Weitere Aktionen gegen die Schweinehaltung seien geplant, heißt es beim VgT.

















