Ringen um junge Priester
Die Zahl der Priester nimmt ständig ab und auch das Vertrauen in sie ist nicht groß. Das Aus für den Zölibat ist für Regens Rauch aber keine Lösung.

Foto © HoffmannBischof Egon Kapellari bei der Priesterweihe im Grazer Dom
Jedes Jahr rund um den 29. Juni, dem Hochfest der Apostel Petrus und Paulus, werden in der katholischen Kirche Priester geweiht. Doch die Zahl der (Neu-)Priester nimmt seit Jahren ab. In der Diözese Graz-Seckau sind es heuer drei (siehe links).
Ins Priesterseminar aufgenommen wird nicht jeder: "Die Kandidaten müssen zum einen geistige Fähigkeiten mitbringen", berichtet Regens Franz Rauch, zuständig für die Priesterausbildung im Land. Das geistliche Leben sei als Fundament essenziell. Selbstreflexion und der richtige Umgang mit eigenen Schwächen sind ebenfalls gefragt - fundamentalistische Tendenzen sollen damit ausgeschlossen werden. "Im Zweifelsfall ziehen wir Experten wie Psychologen zurate."
Den starken Rückgang an Priester-Berufungen führt der Regens auf zwei Faktoren zurück: zum einen auf die geringere Zahl von Kindern, zum anderen auf die "Ratlosigkeit vieler Menschen, die auf der Suche nach Gott sind". Er ist jedoch davon überzeugt, dass die Sehnsucht nach Gott auch heute noch ganz groß ist. Nur: "Gläubig sein ist gegen den Trend der Zeit."
Auffällig ist, dass sich zuletzt vor allem Mönche in den Dienst Gottes stellten, also Mitglieder von Ordensgemeinschaften. Laut Rauch ist die Gruppe auch für Weltpriester ein durchaus gangbares Modell: "Die Zukunft liegt in Gemeinschaften mit zwei bis drei Priestern."
Dass sich durch die Aufhebung des Zölibats wieder mehr Männer dazu entschließen würden, Priester zu werden, glaubt er nicht, und: "Der Zölibat ist eine Vertiefung des Glaubens, die eine Herausforderung ist." Auch dass die Kandidaten bei der Priesterweihe dem Bischof versprechen, gehorsam zu sein - vor einem Jahr rief die Pfarrer-Initiative ja zum Ungehorsam auf - ist für den Regens zeitgemäß: "Das heißt in erster Linie Hören auf Gott und nicht Kadaver-Gehorsam." Doch wenn es um zentrale Glaubensinhalte gehe, werde der Spielraum eben eng.
Die Wichtigkeit der Laien ist für den Regens jedoch unbestritten: "Geweihte und Nicht-Geweihte gemeinsam machen den Organismus lebensfähig." Derzeit würde man sich aber in der schwierigen Übergangsphase befinden, in der mit viel Kraft und Energie der neue Weg gefunden werden müsse.
Dass laut einer Umfrage des Pastoraltheologen und Religionssoziologen Paul Zulehner nur ein Viertel der Österreicher mit einem Priester etwas Positives verbindet, sieht der Regens differenziert: Sie seien nie nur die Liebkinder des Volkes gewesen. "Wenn die Gläubigen wieder mehr direkten Kontakt zu den Priestern hätten, würde das Vertrauen auch ansteigen."
Features
Steirische Priester
Die Zahl der Priester in der Steiermark ist von 497 im Jahr 2002 auf 442 im Vorjahr zurückgegangen (siehe Grafik oben). Dabei ist der Rückgang bei den Weltpriestern stärker als bei den Ordenspriestern.
Statistisch gesehen gab es in den letzten zehn Jahren im Schnitt 4,3 Neupriester pro Jahr.

















