Premiere: "Alle sieben Wellen"
Pointen-Pingpong via E-Mail: Das Schauspielhaus Graz zeigt "Alle sieben Wellen" von Daniel Glattauer, ein erneuter Erfolgslauf ist garantiert.
Quelle © KLZ Digital Fernbeziehungsdrama: "Alle sieben Wellen"
Gut gegen Nordwind" war und ist ein Dauerläufer. Im Buchhandel, wo der erfrischende E-Mail-Roman des ehemaligen "Standard"-Redakteurs Daniel Glattauer seit 2006 fast eine Million Mal verkauft wurde. Und in rund 40 Theatern, wo die Dramenfassung von Ulrike Zemme bisher begeisterte. So auch im Grazer Schauspielhaus: Das Erfolgsstück wurde von der Ebene 3 auf die große Bühne gehievt und bestand dort bis heuer mit drei Saisonen und fast 40 Vorstellungen souverän einen Marathon.
Der Zieleinlauf ist zugleich der Start. Denn mit "Alle sieben Wellen", Glattauers Fortsetzung von den zwei Computerkönigskindern, die zueinander nicht kommen können, geht man ab Oktober erneut auf die Strecke. Schon jetzt, nach der vorgezogenen Premiere, kann prophezeit werden: Dem Schauspielhaus steht wieder ein guter Lauf bevor.
Digitales Gestrüpp
Ausgangspunkt der zufälligen Online-Bekanntschaft zwischen Emmi und Leo ist ja der Schutzmantel des WWW, den sich mittlerweile eine ganze Generation umgehängt hat, den Satz von Wittgenstein abändernd: "Worüber man nicht reden kann, darüber soll man schreiben". Kecke Flirts finden irgendwo im digitalen Gestrüpp genauso Zuhörer wie echte Sehnsüchte. Aber wie steht es dann mit der Abschlussprüfung in der Realität, Angesicht zu Angesicht und nicht Mail-Adresse zu Mail-Adresse?
"Alle sieben Wellen" überprüft das, mit dem Risiko von Ernüchterung nach dem Liebesrausch im Posteingang und -ausgang. Schwächer als sein Vorgänger, verrät der Text den Ursprungsreiz des/der ewig Unbekannten an ein hollywoodeskes Happy End. Und dennoch, er funktioniert als Mix aus Boulevard, Paartherapie und Lebensphilosophicum - auch auf der Bühne.
Der Düsseldorfer Stefan Behrendt (35) hat diese "Liebesutopie aus Buchstaben" leichtfüßig, aber auch mit Köpfchen inszeniert, Ulrike Müller wieder eine so schlichte wie praktikable Bühne entworfen. Die Online-Monologe fügen sich samt Mailverkehr im Übertitel zu einem köstlichen Gedanken-Pingpong, wenn sich Steffi Krautz und Sebastian Reiß als Emmi und Leo im Pointenlabyrinth nicht verlieren und erneut zu Hochform auflaufen.
"You are the sunshine of my life", tönt es zu Beginn aus den Boxen. "You're the one I follow to the middle of the shadow", singen später die Crystal Fighters. Krautz und Reiß zeichnen so humorvoll wie subtil Licht und Schatten, dem sich gerade auch ein Liebesp@@r mit zunächst nichts als Hoffnung und Mäusen in der Hand stellen muss.

















