Häfenlegende geht nach 40 Jahren frei
Rädelsführer der Karlau-Geiselnehmer wurde im Alter von 76 Jahren bedingt aus der Haftanstalt Garsten entlassen. Insgesamt wurde er zu 70 Jahren Gefängnis verurteilt, 40 Jahre hat er nun verbüßt.

Foto © APAAdolf S. bei der Gerichtsverhandlung wegen der Geiselnahme in der Grazer Karlau
Insgesamt zu 70 Jahren Gefängnis verurteilt, 40 Jahre verbüßt: "Der Adi", der "Grandseigneur" der Häftlinge, ist mittlerweile 76 Jahre alt. Bis 2027 hätte der Rädelsführer der Karlau-Geiselnehmer noch sitzen müssen. Doch nun wurde er bedingt in die Freiheit entlassen - wegen guter Führung und weil ihn die Experten in mehreren Gutachten eine günstige Resozialisierungsprognose erstellt hatten. Das bestätigte das Landesgericht Steyr Robert Stammler von den Oberösterreichischen Nachrichten.
Adolf S. war in den 60er-Jahren ein berüchtigter Serienbankräuber. In den 70er- und 90er-Jahren sorgte er durch einen spektakulären Gefängnisausbruch und Geiselnahmen für Schlagzeilen. Adolf S. galt die Jahre über als einer der gefährlichsten Verbrecher Österreichs.
Bankraubserie
Bei seinen Raubüberfällen schoss er zwei Menschen nieder. Adolf S. wurde gefasst und zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. 1971 unternahm er mit zwei Komplizen einen Ausbruch aus der niederösterreichischen Vollzugsanstalt Stein. Das Verbrechertrio nahm einen Untersuchungsrichter und den Polizeikommandanten von Krems als Geiseln.
Um das Leben der Geiseln nicht zu gefährden, sicherte der damalige Justizminister Christian Broda den Häftlingen 30 Kilometer Vorsprung zu. An der Jagd nach den Gangstern war auch der damalige Wiener Polizeipräsident Josef Holaubek beteiligt. Er führte die Verhandlungen mit zwei Geiselnehmern. Durch seinen Ausspruch "Kumm aussa. I bin´s, dein Präsident" wurde Holaubek legendär. Die Täter gaben auf, aber Adolf S. war nicht dabei. Er konnte erst zwei Wochen später verhaftet werden.
Für diese Geiselnahme bekam er noch einmal 16 Jahre Gefängnis aufgebrummt. 1985 vorzeitig aus der Haft entlassen, versuchte er ein neues Leben aufzubauen. Aber schon nach sieben Jahren wurde er rückfällig, überfiel eine Bank und lieferte sich mit Gendarmen einen Schusswechsel. Das Urteil: 19 Jahre Haft.
Er verbüßte die Strafe zunächst in Stein, später in der Grazer Karlau. Dort zettelte er 1996 eine Geiselnahme an. Gemeinsam mit einem wegen Mordes verurteilten Zuhälter und einem Abu-Nidal-Terroristen brachten sie in der Feinkostabteilung des Gefängnisses drei Frauen in ihre Gewalt und stachen zwei Justizwachebeamte nieder.
Zehn Stunden Todesangst
Mit den Frauen als Geiseln, verschanzten sie sich im 20 Quadratmeter großen Raum. Aneinandergebunden, auf dem Rücken selbst gebastelte Sprengsätze aus einem Nitrogemisch, mussten die Opfer zehn Stunden Todesangst ausstehen. Dann stürmte das Einsatzkommando Cobra und überwältigte die Täter. Der Mann, der mit dem Grazer Polizisten Eduard Hamedl zehn Stunden lang verhandelt hatte, war Adolf S. "Er war höflich, aber eiskalt", erinnert sich Hamedl.
Rädelsführer Adolf S. erhielt noch einmal 19 Jahre Gefängnis. Dieser Tage aber öffneten sich für den 76-Jährigen die Gefängnistore in Garsten.

















