"Unrockbar" war hier niemand
Fast drei Stunden lang ordinierten die "Ärzte" am Mittwoch in der Grazer Stadthalle. Der Befund: Operation gelungen, alle 11.000 Patienten gesund und munter.
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Es gibt die Existenz von etwas Wunderbarem zu feiern", sagt die sonore Tonbandstimme, bevor sich der rote Vorhang in der Grazer Stadthalle hebt. "Die Existenz der besten Band der Welt." Und dann, um genau 20.15 Uhr, stehen sie plötzlich auf der Bühne: Farin Urlaub, Bela B. und Rod. Seit 30 Jahren bereits betreiben die "Ärzte" ihre Gemeinschaftspraxis. Und obwohl der Anspruch, die beste Band der Welt zu sein, fixer Bestandteil der Selbstironisierung der drei Herren ist, beweist das wunderbar aufeinander eingespielte Trio, dass auch breitenwirksame Musik einen hohen Qualitätspegel erreichen kann.
Mit Songs aus dem neuen Album "auch" startet die Show, die ohne viel optisches Tamtam auskommt. Die rund 11.000 Besucher sind ab der ersten Nummer ein riesiges, begeistertes Mitsing- und Tanzknäuel. Hier stehen drei sympathische, politisch korrekte, integre Herrschaften im Scheinwerferlicht, die ihren Fans nicht nur Botschaften, sondern auch einen hohen Spaßfaktor bescheren. Vielleicht macht diese Mischung den anhaltenden Erfolg der Berliner aus.
Farin Urlaub und Bela B. sind die unumstrittenen Frontschweine der Truppe, doch Rod lässt immer wieder durch herrlich psychedelisches Gitarrenspiel und schöne Songs aufhorchen. Zwischendurch fliegt ein schwarzer BH auf die Bühne. Bela B. schätzt kurz die Körbchengröße ein und hängt das Utensil dann auf den Mikrofonständer. Die Ansagen zwischen den Songs: Geschmackssache. "Wir quasseln nur Müll", grinst Bela. "Aber niemand tut das so charmant wie wir." Wieder diese Selbstironie, die gut als Schutzschirm gegen Peinlichkeiten funktioniert.
Die "Ärzte" kommen während der 170minütigen Operation gehörig ins Schwitzen, die Hits purzeln wie vom Fließband in die tobende Menge. Der "Schrei nach Liebe", der "Popstar", der "Rebell", der "Junge". Drei Zugabenblöcke erklatscht sich die dampfende Masse in der Halle. "Unrockbar" ist ein Song davon. Davon konnte bei diesem Konzert wahrlich nicht die Rede sein.
Übrigens: Wer den Abend akustisch gleich mit nach Hause nehmen wollte, konnte den Konzertmitschnitt vor Ort auf einem USB-Stick erwerben. Kostet 20 Euro. Clevere Jungs.
















