Rathaus: Von Banken und Burgern
Burger King, Nagls Shoppingcenterpläne und der Mietvertrag der Steiermärkischen - die Immobilie Rathaus sorgt regelmäßig für Polit-Debatten.

Foto © Stadt Graz/Foto Fischer
Billige Altverträge und große Pläne im Rathaus lassen die Wogen unter den Politikern immer wieder hochgehen. Aktueller Anlass ist der geplante Deal zwischen Steiermärkischer Sparkasse und Stadt Graz. Die Bank will ja Büros im Rathaus, die sie seit über 100 Jahren gratis nutzt, an die Stadt um sieben Euro pro Quadratmeter vermieten (wir berichteten). "Unverschämt", nennt das etwa BZÖ-Gemeinderat Georg Schröck. Bei der Bank argumentiert man: Schließlich habe die Steiermärkische der Stadt Graz Ende des 19. Jahrhunderts das Rathaus geschenkt.
Der Historiker Karl A. Kubinzky hat für die Kleine Zeitung die Geschichtsbücher durchforstet. Das Ergebnis: Die damalige "Gemeinde-Sparkasse" - sie ging 1939 in der Steiermärkischen Sparkasse auf - hat den großen Umbau 1895 zum Großteil finanziert und das neue Rathaus der Stadt Graz geschenkt. Wie überhaupt die Steiermärkische bis heute viele Projekte in der Stadt finanziert (siehe Infobox). Im Gegenzug wurde der Sparkasse im Grundbuch für bestimmte Flächen "das Servitutsrecht der immerwährenden und unentgeltlichen Benutzung" eingeräumt. Allerdings: Die "Gemeinde-Sparkasse" gehörte damals der Stadt. "Die Stadt hat sich über Umwege selbst beschenkt", sagt Kubinzky.
Pock raus, Monsoon rein
Über die Jahre haben sich viele solcher Altverträge angesammelt. Versuche, sie zu lösen, zumindest abzulösen, gestalten sich als zäh - manchmal gelingt es aber, wie man 2009 am Auszug der Buchhandlung Pock gesehen hat. Ein alter Vertrag garantierte der Firma Leykam eine günstige Miete, die Stadt konnte für die Top-Lage direkt am Hauptplatz nur 5900 Euro kassieren. Wie billig das wirklich war, erkennt man an den aktuellen Einnahmen: Die britische Modemarke Monsoon, die hier seit drei Jahren für frischen Wind sorgt, zahlt für dieselben Flächen 19.500 Euro.
Rathaus als Kaufhaus
Aber nicht nur Altverträge, auch groß angelegte Zukunftspläne sorgten für Polit-Debatten. So plante 2007 ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl ein Shoppingcenter im Rathaus. C&A zeigte damals massiv Interesse, auf drei Geschossen im hinteren Rathaus-Trakt ein Einkaufszentrum hochzuziehen. Die Eröffnung war für 2011 geplant. Der Plan ist gescheitert, nicht zuletzt am Widerstand der SPÖ.
Gestritten wurde auch 2002: Damals tobte ein heftiger Streit zwischen Burger King und den Politikern im Rathaus. Fast Food war ihnen nicht fein genug. Um Burger King zu verhindern, hat die Stadt sogar das Haus Herrengasse 6 um 5,5 Millionen Euro gekauft. Dort, wo Burger verspeist werden sollten, können die Politiker nun gediegen Kaffee trinken - und eine echte Sacher-Torte essen.
Features
Fakten
Die Steiermärkische Sparkasse - genauer: die damalige Gemeinde-Sparkasse im Eigentum der Stadt - finanzierte neben dem Rathaus auch das Grazer Opernhaus, das 1899 eröffnet wurde. Beide Immobilien wurden der Stadt geschenkt.
Auch der Augarten und Teile des Leechwaldes gehören der Steiermärkischen. Die Grünflächen stehen den Grazern zur Verfügung.
Der Grazer Congress ist ebenfalls im Besitz der Steiermärkischen und wird der Stadt günstig zur Verfügung gestellt.
















