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Zuletzt aktualisiert: 08.06.2012 um 05:36 UhrKommentare

Mobbing und seine schlimmen Folgen

Drohungen, Beschimpfungen und "Happy Slapping" - Mobbing unter Jugendlichen ist grausam. Durch das Internet werden die Demütigungen öffentlich. In den USA gab es jüngst einen grausamen Fall. Doch man muss gar nicht so weit blicken.

Foto © lassedesignen/Fotolia.com

Er wird als "Hackfresse" und "Heulsuse" beschimpft, malträtiert und bedroht. "Happy Slapping" ("fröhliches Schlagen") ist gang und gäbe: Die körperlichen und verbalen Demütigungen werden dabei mit dem Handy aufgenommen. Lustig findet das der 14-jährige Grazer Gymnasiast nicht. "Mein Sohn wird von Mitschülern massiv gemobbt", sagt sein Vater. Er komme oft weinend nach Hause. "Ich mache mir große Sorgen um ihn. Gespräche mit den Rädelsführern und deren Eltern haben wenig gebracht. Die Schule ist machtlos", meint der Mann.

Hintergrund

Der Fall sorgte weltweit für Schlagzeilen: Ein 20-jähriger Student wurde in den USA zu 30 Tagen Haft verurteilt. Er hatte seinen homosexuellen Kommilitonen heimlich beim Sex gefilmt und die Bilder ins Internet gestellt. Das Mobbing-Opfer brachte sich kurz darauf um.

Auch in Kärnten gab es vor zwei Jahren einen tragischen Fall. Der 13-jährige Joel legte sich vor einen Zug und starb, nachdem er im Internet gedemütigt worden war. Ein "Freund" hatte ihm via Facebook geschrieben, er sei "ein Homo". Davor war Joel wochenlang schikaniert worden - im realen wie im virtuellen Leben.

Ebenfalls in Kärnten gab es heuer diesen Fall: Eine Schülerin (12) schickte einem Freund (14) Nacktfotos von sich. Dieser stellte sie auf Facebook. Das Mädchen stand unter Schock und ging nicht mehr zur Schule. Bei einer polizeilichen Vernehmung weinten Mädchen und Bursch - sie hatten die Tragweite ihrer Handlungen nicht abschätzen können.

Wie tief Mobbing und Cybermobbing, Letzteres über soziale Netzwerke im Internet, treffen kann, zeigt der jüngste Fall in den USA (siehe rechts). Doch man braucht gar nicht so weit zu blicken. Auch unter Österreichs Jugendlichen geht es mitunter brutal zu, mit Worten und Handgreiflichkeiten. Der Fall des 14-jährigen Grazer Schülers ist einer von vielen, Tendenz steigend.

Öffentliche Demütigung

"Die Jugendlichen sind heute länger und häufiger dem sozialen Druck ausgesetzt als früher, da sie mehr Zeit als früher in außerhäuslicher Betreuung sind", sagt Luise Hollerer, die steirische Vorsitzende des Psychologen-Berufsverbands. Dazu komme, dass beim Mobbing unter Schülern (auch Bullying genannt) körperliche und verbale Aggressionen häufig veröffentlicht werden. "Die Jugendlichen haben das Fotohandy ständig dabei", sagt Hollerer. So finden die Demütigungen blitzschnell den Weg via Internet an die Öffentlichkeit.

Die Folgen sind gravierend - immer, wie die Expertin betont. Zu psychosomatischen Beschwerden wie Bauchweh oder Kopfweh fallen häufig die Schulleistungen ab. Die Jugendlichen ziehen sich zurück und verlieren ihr Selbstwertgefühl. Oft weiß keiner warum, denn: "In vielen Fällen wissen Eltern und Lehrer nichts über das Mobbing", sagt Hollerer.

In Kontakt bleiben

Für Eltern gilt daher: "Bleiben Sie in Kontakt mit Ihren Kindern", rät die Psychologin und Therapeutin. Es ist wichtig, mit dem Kind darüber zu sprechen, was es am Tag erlebt hat, und zu wissen, mit wem es sich umgibt. Das Kind oder der Jugendliche sollte ermutigt werden, eigene Lösungsstrategien zu finden, um so seinen Platz in der Gruppe zu finden. Eltern sollten Lehrpersonen über Vorfälle informieren und achten, dass Lösungsschritte erarbeitet werden. Für Opfer ist psychologische Hilfe wichtig.

Oft müssen auch die Mobber begleitet werden. "Das sind meist Kinder, die in irgendeiner Form selbst Gewalt erlebt haben und jemanden niedermachen, um sich besser zu fühlen", sagt Hollerer. Außerdem sei es wichtig, die ganze Klasse einzubeziehen. Denn: "Mobbing ist eine Art soziales Spiel, um in einer Gruppe eine Rangordnung herzustellen."

SONJA HASEWEND

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