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Zuletzt aktualisiert: 02.06.2012 um 22:33 UhrKommentare

Dauert es wirklich noch acht Monate bis zur Wahl?

Die Entscheidung des Grazer Bürgermeisters Siegfried Nagl, sich von seiner politischen Partnerin Lisa Rücker zu trennen, dürfte tatsächlich relativ spontan erfolgt sein.

Siegfried Nagl und Bettina Vollath beim Grazer Businesslauf 2009: Unterschiedlich genug, doch die Chemie stimmt - ein reformpartnerschaftlicher Paarlauf ab 2015 hätte sowohl für rote als auch schwarze Parteistrategen Charme

Foto © LEODOLTER Siegfried Nagl und Bettina Vollath beim Grazer Businesslauf 2009: Unterschiedlich genug, doch die Chemie stimmt - ein reformpartnerschaftlicher Paarlauf ab 2015 hätte sowohl für rote als auch schwarze Parteistrategen Charme

Am Tag danach waren sich intern aber rasch beide Lager einig: Es war nicht das Schlechteste, was ihnen strategisch passieren konnte. Und vielen Außenstehenden scheint es sowieso, als wäre alles von langer Hand geplant.

Bei der ÖVP wirkt der Wirtschaftsbund schon länger auf die Parteiführung ein, sich nicht mit einer "wirtschaftsfeindlichen" Politik in die Geiselhaft der Grünen zu begeben. Und aufseiten der Grünen wurde wenige Tage zuvor Landessprecher Werner Kogler beim Versuch gesichtet, Rücker davon zu überzeugen, dass sie Abstand gewinnen müsse zur ÖVP bis zur Wahl. Die Frage, die sich jetzt alle Beobachter stellen: Dauert es wirklich noch acht Monate bis zur Wahl?

Aus Sicht der ÖVP müsste eigentlich gleich gewählt werden. Jetzt kann sie sich als "Retterin einer Stadt mit Zukunft" verkaufen, jeder Tag, den Nagl SPÖ-Chefin Martina Schröck Luft lässt, um sich als neue potenzielle Partnerin und "Retterin der sozial Schwachen" zu profilieren, nützt nicht ihm, sondern ihr. Aus Sicht der Grünen müsste ebenfalls jetzt gewählt werden - jetzt können sie sich als "Retter der für dumm verkauften Bürger" inserieren. So viele Retter - da gibt es für FPÖ-Chef Mario Eustacchio und BZÖ-Mann Gerald Grosz wenig zu erben. Aber die haben sich selbst schon festgelegt: Neuwahlen ehestmöglich, um für klare Verhältnisse zu sorgen. Vier Fäuste also, die sich bereitwillig in die Höhe recken sollten, und ein Halleluja der Roten mit Schröck, die versucht sein wird, Zeit zu gewinnen, um den Ball zu verwerten. KPÖ-Frontfrau Elke Kahr bleibt neutral.

Klar ist nur: Keiner will schuld sein, denn "Arbeitsverweigerung" wird vom Wähler erfahrungsgemäß bestraft. Ein Scheitern der Gespräche über die Volksbefragungen Ende Juni könnte allerdings einen sachlichen Grund für die Vorverlegung der Wahl auf Oktober liefern.

Dies käme auch den Strategen von ÖVP und SPÖ im Land zupass. Weil man sich dort schon länger ein Pendant zur "Reformpartnerschaft" in der Landeshauptstadt wünscht. Aber auch, um Spielraum für längerfristige Optionen zu gewinnen.

Nach außen hin kokettieren sowohl Landeshauptmann Franz Voves als auch Vize Hermann Schützenhöfer mit einem Wiederantreten bei der Landtagswahl 2015. Der engste Kreis geht jedoch davon aus, dass beide finster entschlossen sind, noch vor der Wahl Seite an Seite den Abschied zu nehmen und das Feld den Nachfolgern zu überlassen.

In der SPÖ ist das Feld bestellt: Finanzlandesrätin Bettina Vollath ist als Nachfolgerin so gut wie fix. LH-Stellvertreter Siegfried Schrittwieser, der im Juni seinen 60. Geburtstag feiert, würde - wer könnte es ihm verdenken - seine lange politische Karriere gerne mit dem Amt des Landeshauptmannes krönen. Der Wunsch von Franz Voves ist ihm jedoch Befehl.

Im direkten Duell gegen Bettina Vollath wäre die starke Frau in der ÖVP, Kristina Edlinger-Ploder, unterlegen - die Profile sind zu ähnlich, der Bonus der Landeshauptmannpartei zieht. In der ÖVP wird daher seit Monaten über einem Alternativszenario gebrütet. Ein logischer Kandidat wäre der Grazer Erfolgsmann Nagl. Ein Paarlauf Vollath-Nagl hätte für die Landesparteichefs Charme: Die beiden sind alte Pfadfinder-Kameraden und könnten die Reformpartnerschaft glaubhaft in die Verlängerung gehen lassen.

Die Voraussetzung: Nagl muss wollen - er liebäugelt ja selbst immer wieder mit einem Rückzug aus der Politik. Und es muss ein ordentlicher zeitlicher Abstand zwischen dem bevorstehenden Grazer Urnengang und der Landtagswahl liegen. Auch diesbezüglich wäre eine Vorverlegung in der Landeshauptstadt hilfreich. Und der geplante Wechsel im Land im April 2013, zweieinhalb Jahre vor der Wahl, würde wohl nach hinten verlegt.

Aber das ist eine andere Geschichte.


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