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Zuletzt aktualisiert: 02.06.2012 um 19:35 UhrKommentare

Vom G'fühl gibt es keine Überdosis

STS-Konzert in der Grazer Stadthalle: Ein Hohefest der Empathie und drei Herren auf dem Zenit ihres Könnens und ihrer Glaubhaftigkeit.

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Eigentlich sind sie uns lieb gewonnene Advent-Bescherungen, die legendären Vorweihnachtskonzerte der Herren Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz. Doch im Vorjahr stimmte der Tod das Abschiedslied für Schiffkowitz' Mutter an, die Termine wurden daraufhin verschoben. Umso berührender die Bescherung bei den Ersatzkonzerten, die am Freitag in der Grazer Stadthalle starteten und an drei aufeinanderfolgenden Abenden stattfanden. Heißt: Dreimal ausverkaufte Stadthalle, dreimal rund 5500 Besucher, macht insgesamt 16.500 Menschen, die gestrahlt haben, als würden Spritzkerzen vom Weihnachtsbaum glitzern.

Einen Style-Award bekommen die Herren Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz noch immer nicht, dafür alle Auszeichnungen für musikalische Nachhaltigkeit. Gleich der erste Song, "Das Feuer", war Programm und Motto für das durch eine formidable Begleitband unterstützte Dreiergestirn, das sich mit viel Understatement und Lässigkeit durch 30 Jahre STS-Geschichte spielte. "Und das Feuer, es brennt ganz so, wie's früher war." Keine Plattitüde, sondern unaufgeregte Wahrhaftigkeit. Das "früher" nicht als schale Reminiszenz, sondern als selten gewordener Garant für Beständigkeit.

Der Sound in der Stadthalle war anfangs gut, in der zweiten Hälfte des mehr als zweistündigen Konzertes wurde er exzellent. Die Bühnendekoration: Vorhänge in Weiß und Grün. Schiffkowitz moderierte launig durch das Programm, Steinbäcker gab den augenzwinkernden Sparringspartner, Timischl bestach durch selbstbewusste Präsenz und leise Lieder, die viel Zuhören verdienen.

Längst haben sich STS aus allen musikalischen Kategorien katapultiert. "Früher waren wir jung, fesch und dynamisch", schmunzelt Schiffkowitz ins Publikum hinunter. "Heute sind wir nur noch dynamisch." Wobei es bei STS-Konzerten kein "oben" und "unten" zu geben scheint. Die dort "oben", das sind drei inzwischen sehr grau melierte Herren, die trotz Erfolgs mitten im Leben stehen und über die Alltagssorgen und -freuden der Menschen dort "unten" singen. Und sie tun es so glaubhaft, dass nie das schale Gefühl eines kommerziellen Spieles aufkommt.

Das Konzert, eine Zeitreise durch ein umfangreiches Liedgut, das zum emotionalen Rüstzeug von mindestens drei Generationen gehört. Die "Sun" geht für Schiffkowitz auf, irgendwann bleibt Steinbäcker dann durt und Timischl weiß, dass die anderen angeblich immer alles besser wissen.

Wenn die Volksseele andernorts gefährlich kocht, bei STS-Konzerten gibt sie angenehme Wärme ab. Spätestens beim "Großvater" ist das Publikum nicht mehr zum Halten und strömt Richtung Bühne, bei "Kalt und immer kälter" passiert das Gegenteil, und als "Fürstenfeld" in den Saal gewuchtet wird, ist die Großfamilie endgültig vereint: im Mitsingen, im Wohlfühlen, im Mitdenken, im Menschsein.

"Auf ein Wort", ein Timischl-Song, schließt den Abend ab. "Liebe, Freiheit, Hoffnung, Zukunft, Leben." Aus mehr Worten besteht der Text nicht. Mehr Worte sind auch nicht nötig. Für ein Konzert, das in aller Schönheit sprachlos machte.

BERND MELICHAR

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