Wenn der Lotter kommt
Zu Pfingsten wird die Entsendung des Heiligen Geistes gefeiert. Wir sprachen mit Volkskundler Michael Greger über mitunter bösartige Bräuche.

Foto © APA
Nach Weihnachten und Ostern ist Pfingsten das drittgrößte kirchliche Fest: Am 50. Tag nach der Auferstehung ("Pfingsten" kommt vom griechischen Wort "pentekoste", siehe rechts) wird die Entsendung des Heiligen Geistes an die Apostel gefeiert. Damit sollte ihnen die Kraft verliehen werden, ihren Glauben zu stärken und damit auch die Lehre Christi weiter zu verbreiten. Die Pfingstmesse ist bis heute in der Steiermark ein beliebter Termin für Firmungen. Pfingstbräuche werden heute noch (vor allem am Land) gelebt. Wir haben eine Auswahl zusammengestellt.
Heiligen-Geist-Krapfen
"Zu Pfingsten gibt es im Mittleren Murtal ein Spezialgebäck, die Heiligen-Geist-Krapfen", weiß Michael Greger vom Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie der Uni Graz. Das sind in Butterschmalz herausgebackene Teigfladen.
Augenwaschen
"In Altirdning kommen Sonntagmorgen ab 5 Uhr Menschen zum Heiligen Brunnen, um sich die Augen zu waschen", erklärt Greger. Es ist ein "lebendiges Wasser", das aus der Seitenwunde Christis strömt und die Sehkraft stärken soll.
"Pfingstlucke", "Pfingstochse" oder "Pfingstnigl"
Wer am Morgen des Pfingstsonntags als Letzter aufsteht, muss sich den Spitznamen "Pfingstlucke", "Pfingstochse" oder "Pfingstnigl" gefallen lassen. Die Pfingstlucke ist die Margerite und wird in vielen steirischen Orten am Morgen gepflückt und den Schlafenden ins Bett gelegt. Manch einer bekommt auch eine Brennnessel dazu.
"Pfingststehlen" oder "Zamtragen"
Am Pfingstsonntag ist es durchaus möglich, dass man vergeblich nach Geräten oder Gegenständen sucht, die am Vortag noch vor der Haustür standen: "Das ,Pfingststehlen' ist - außer im Raum Liezen - ein beliebter Brauch. Ich habe gehört, dass sogar große Leiterwagen samt Rechen in der Nacht auf den Giebel gebracht wurden", schmunzelt Greger. Bei diesem Brauch ist Kreativität gefragt: Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, kann vertragen werden. Auch Heuballen können plötzlich ihren Standort wechseln. "Gerne werden in dieser Unruhnacht auch Türen verrammelt - etwa mit Holz", schildert der Volkskundler.
"Pfingstlotter"
Der "Pfingstlotter" ist eine meist aus Stroh, Holz und Kleidungsstücken gefertigte Puppe. Er wird ledigen Frauen vor die Tür, vors Fenster oder auf das Dach ihres Hauses gesetzt. Die Dorfburschen versuchen ihnen damit die eher plumpe Botschaft zu vermitteln, dass es an der Zeit wäre, unter die Haube zu kommen. Die Ledigen revanchieren sich jedoch, weiß Greger: "Einem ausfindig gemachten Lotter-Aufsteller kann es passieren, dass er sein Bett auf der Straße wiederfindet."
















