Die fabelhafte Welt hinter der Bühne
In der Dekorationswerkstatt des "art + event Theaterservice Graz" werden Bühnenträume wahr. Vorhang auf für eine Reise hinter die Kulissen.

Foto © Dimo Dimov
Eigentlich ist es ja eine fast normale Werkstatt. Eigentlich. Denn schon, als das Auto auf den Vorplatz im Grazer Sternäckerweg rollt, ist klar, dass hier alles ein bisschen anders ist. Riesige Skulpturen bewachen die schlichte Fassade. Auf einem der Parkplätze ist ein glitzernder Autodromflitzer abgestellt. Hier ist die ganze Welt wirkliche eine Bühne. Immerhin entstehen in der Dekorationswerkstatt des "art + event Theaterservice Graz" jeden Tag ganz neue, zauberhafte Welten.
"Viele wissen nicht, wie viel Aufwand in den Kulissen einer Theaterproduktion steckt", meint Marketing-Mann Bernd Pürcher und bietet eine überdimensionale Orange aus Kunststoff als Sitzgelegenheit an. Im Bürotrakt ist sonst wenig vom Glanz der Theaterbühnen zu sehen. Architekten und Techniker sitzen an Computern auf verhältnismäßig steril wirkenden Schreibtischen und zeichnen Pläne. In der Welt der Bits und Bytes beginnt nämlich jede Produktion. Mit einer Idee, welche die Profis realisieren müssen.
Ein paar Meter entfernt sieht die Umgebung schon anders aus. Die Handwerker huschen nach einer kurzen Pause gerade an ihre Arbeitsplätze zurück. "Wir haben fünf einzelne Abteilungen auf 5628 Quadratmetern untergebracht", erklärt Pürcher. Bildhauer, Maler, Schlosser, Tapezierer und Tischler arbeiten Hand in Hand. Gerade wird eine überdimensionale Stiege mit Farbe versehen. Im Hintergrund heult eine Flex. Kostümbildner sieht man hier keine, die sind in einem eigenen Haus in der Grazer Innenstadt untergebracht.
Grotte als Sauna
Rund 100 Mitarbeiter zählt das Unternehmen, das inzwischen europaweit fungiert. So zählen etwa die Seefestspiele Mörbisch zu den Kunden. Kürzlich wurden für "Arabella" in der Opera Bastille in Paris die Kostüme an der Mur geschneidert. Aber auch Unternehmen und Privatpersonen lassen sich außergewöhnliche Wünsche erfüllen. "Ein Grazer hat sich von uns seine Sauna zu einer Grotte umgestalten lassen. Ein Wahnsinn", berichtet das Team.
Es wird ruhig in der großen Montagehalle. Ausnahmsweise. Zum ersten Mal ist nämlich ein Kamerateam zu Besuch, das den Kreativen bei ihrer Arbeit über die Schultern schauen darf. Für die Dokumentation "Meister hinter den Kulissen" (siehe rechts) sind Regisseur Thomas Weber und Kameramann Franz Posch in die Theaterwelt abgetaucht.
Um nicht zu stören, geht es noch in den Fundus, das Herzstück auf dem Gelände. Goldene Pferde, ein Dinosaurierskelett, falsche Palmen, eine Bushaltestelle sind auf engstem Raum geschlichtet. Für eine ordentliche Gruselstimmung sorgt die Friedhofsabteilung samt Grabsteinen und Särgen, die sich im hinteren Winkel versteckt. "Alles nur für die Bühne, keine Sorge", beruhigt Pürcher lachend. Und schließt den Vorhang.

















