Erst Zehnjährige schätzen Verkehrssituation richtig ein
Grazer Studie mit 300 steirischen Volksschülern präsentiert. "Große schützen Kleine"-Präsident erklärt: "Zweitklässler werden am meisten überschätzt, wenn es um ihre Einschätzungen von Situationen geht."

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Kinder können erst mit zehn Jahren - und damit erst zu Ende der Volksschulzeit - einigermaßen richtig die Gefährlichkeit von Verkehrssituationen einschätzen. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie von "Große schützen Kleine" in der Steiermark. "Im zweiten Schuljahr beurteilen Kinder die Situation nicht wesentlich besser als im ersten", warnte der Grazer Kinderchirurg und Präsident von "Große schützen Kleine", Michael Höllwarth, am Mittwoch bei der Präsentation in Graz.
Im Schnitt habe sich gezeigt, dass nur drei von vier Verkehrssituationen, die rund 300 Kindern aus drei Volksschulen der Steiermark "am Verkehrsteppich" vorgeführt wurden, richtig eingeschätzt werden konnten. Sieben- und Achtjährige beurteilten die individuellen Situationen jeweils nur zu knapp 70 Prozent richtig. Erst mit steigendem Alter kam es zu einer Verbesserung. Die 100-Prozentmarke wurde aber auch von den Zehnjährigen nicht durchgehend erreicht, schilderte Studienautor Peter Spitzer. Spitzer erklärt sich die Ergebnisse mit der steigenden Entwicklung der für die Erkennung von Gefahren im Verkehr erforderlichen Fähigkeiten wie z.B. abstraktes Denken, Raum- und Zeitverständnis, Sehen, Hören, Verständnis für Ursache und Wirkung und Koordination von Konzentration und gleichzeitigem Ausführen von Bewegungsabläufen. Sie seien "erst mit zehn bis zwölf Jahren abgeschlossen", so Spitzer.
Wichtigstes Beurteilungskriterium der Kinder, ob eine Situation unsicher ist, sei das optische Vorhandensein eines Autos. Der jeweilige "Blickwinkel" und die noch nicht ausgereifte Fähigkeit, die gesamte Situation - samt möglicherweise gerade verdecktem Fahrzeug - weiterzudenken, mache das größte Risiko der Fehleinschätzung und eines möglichen Unfalls aus. In diesem Zusammenhang warnte Höllwarth Eltern davor, den bereits mäßig verkehrserprobten Zweitklässler zu viel zuzutrauen: "Diese Gruppe wird von den Eltern am meisten überschätzt. Das Kennen der Verkehrsregeln und das Beherrschen eine bekanntes Weges, wie zum Beispiel jenem zur Schule, heißt noch nicht, dass auch ein neuer Weg und eine neue Situation sicher bewältigt werden."
"Nur wenn wir das Verhalten der Kinder begreifen, können wir zielgenau Präventionsstrategien entwicklen", so Wissenschafts- und Gesundheitslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder (V), die die Studie in in Auftrag gegeben hat. Aus Sicht von Verkehrslandesrat Gerhard Kurzmann (F) sei es angesichts der Ergebnisse wichtig, dass vor sensiblen Punkten wie Schulen oder Kindergärten die 30 km/h-Beschränkungen "ohne Toleranz" einzuhalten sind und auch verstärkt Kontrollen durchgeführt werden.
















