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    Zuletzt aktualisiert: 22.05.2012 um 13:33 UhrKommentare

    Neonazi-Prozess: Zeugen erschienen nicht vor Gericht

    Im Grazer Straflandesgericht wurde am Dienstag der Prozess gegen zehn Männer wegen NS-Wiederbetätigung fortgesetzt. Mehrere Zeugen erschienen nicht, obwohl sie von den Anwälten der Beschuldigten gewünscht worden waren.

    Foto © KLZ / Hoffmann

    Zwei Zeuginnen wurden aber gehört, und sie entlasteten zwei der Beschuldigten nach Kräften. "Nach mehr als zwei Jahren fällt Ihnen das ein?", wunderte sich der Staatsanwalt, was wieder einmal zu erregten Diskussionen führte.

    Das Wetter an diesem regennassen, düsteren Tag schlug sich offenbar auch auf die Gemüter, denn die Stimmung im Gerichtssaal war an diesem neunten Verhandlungstag merklich gereizt. Gleich zu Beginn stellte sich heraus, dass einige Zeugen nicht erschienen waren, weswegen der beisitzende Richter Gernot Patzak sofort die polizeiliche Vorführung forderte. Richter Raimund Frei ließ sich aber nicht beirren und klärte zunächst ab, weswegen die Zeugen nun tatsächlich nicht erschienen.

    "Staatsanwalt hat seelisch gequält"

    Einer der Beschuldigten gab an, dass er zum Zeitpunkt einer angeklagten Schlägerei in einem Lokal, der rechtsradikale Äußerungen voraus gegangen sein sollen, gar nicht in Graz gewesen sei. Er sei bei seiner Verlobten und deren Eltern in Stockerau gewesen, was diese drei Personen auch bestätigen könnten. Es handelte sich dabei aber genau um jene Zeugen, die am Dienstag nicht im Gericht erschienen sind. Seine Verlobte könne aus psychischen Gründen nicht kommen, so der Angeklagte. Sie habe eine Fehlgeburt gehabt, weil "der Staatsanwalt sie seelisch gequält hat", so der Beschuldigte. "Das ist eine Frechheit, ich habe sie ganz normal gefragt", empörte sich Ankläger Johannes Winklhofer, der nicht ganz verstand "wieso Sie nach 26 Monaten plötzlich mit dieser Zeugin daher kommen".

    Ein anderer Beschuldigter wurde von einer jungen Frau entlastet, die sich ganz genau erinnern konnte, dass einer der engsten Vertrauten des Hauptangeklagten Franz Radl eine Nacht, in der er rechtsradikale Aufkleber angebracht haben soll, bei ihr gewesen ist. "Ich weiß das genau, weil eine Woche später ist mein zweiter Sohn auf die Welt gekommen", so die Zeugin. "Das wissen Sie nach so langer Zeit so genau? Ich könnte das nicht mehr sagen", entgegnete Richter Raimund Frei. "Sie sind auch keine Mutter", kam die Antwort. "Aber ein Vater", konterte der Richter.

    Lokal-Schlägerei

    Eine weitere Zeugin erklärte, dass einer der Burschen zum Tatzeitpunkt mit ihr zusammen war, und zwar in einer Verbindungsbude, und daher nicht an der Lokal-Schlägerei beteiligt gewesen sein könne. Da etliche Zeugen erneut geladen werden müssen, wurde die Verhandlung vertagt. Fortgesetzt wird am 2. Juli, möglicherweise wird auch noch ein einzelner Termin im Juni eingeschoben, kündigte der Richter an.


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