Hoch im Kurs
Die deutsche Sopranistin Mojca Erdmann gibt morgen ihren ersten Liederabend für den Musikverein. Begleitet wird sie im Grazer Stephaniensaal vom Harfenisten Xavier de Maistre.

Foto © APLetzte Woche beim Life-Ball-Benefiz im Wiener Burgtheater, am Mittwoch in Graz: Mojca Erdmann
W elche Erinnerungen haben Sie an den Grazer Stephaniensaal, in dem Sie morgen einen Liederabend geben?
MOJCA ERDMANN: Wunderbare, denn da habe ich erstmals mit Nikolaus Harnoncourt gesungen. Das waren Robert Schumanns "Faust-Szenen" bei der "styriarte" 2006. Das ist ein toller Saal mit fantastischer Akustik.
Ist diese gute Akustik ein Grund dafür, warum Sie nicht mit Ihrem Stammpianisten Gerold Huber, sondern mit dem Harfenisten Xavier de Maistre auftreten?
ERDMANN: Eine gute Akustik ist natürlich immer hilfreich. Mit Xavier de Maistre habe ich schon letztes Jahr zwei Konzerte gemacht, beide in Kirchen - und ich bin total begeistert. Er ist ein fabelhafter Virtuose, und wie er die Klavierstimme auf der Harfe spielt, konnte ich mir gar nicht vorstellen. Mit der Harfenbegleitung eröffnen sich ganz andere Möglichkeiten der Farbgebung. Gerade mit einem hohen Sopran harmoniert die Harfe sehr gut. Und zur Harfe habe ich eine besondere Beziehung: Als Kind habe ich Geige gelernt und mit meiner Freundin, die Harfe gespielt hat, in Einkaufszentren Weihnachtslieder vorgetragen.
Hängt Ihre lupenreine Intonation damit zusammen, dass Sie auch Geige studiert haben?
ERDMANN: Es hilft schon, wenn man ein Streichinstrument gelernt hat, weil man da besonders auf die Intonation achten muss. Bei mir kommt dazu, dass ich ein absolutes Gehör habe.
Ist das Genre Lied für Sie mehr als ein Nebenschauplatz?
ERDMANN: Auf jeden Fall. Ich gebe sehr viele Liederabende und achte darauf, dass Oper, Konzert und Lied einander die Waage halten.
In Graz singen Sie Schubert, Mendelssohn und Strauss. Engagieren Sie sich auch als Liedsängerin für die Moderne?
ERDMANN: Aribert Reimann hat für mich 2006 vier Lieder a cappella nach Texten von Heinrich Heine komponiert. Weil er meine Stimme kennt, gehen sie bis zum dreigestrichenen F - das ist ein bisschen gemein. Ich habe sie schon oft zum Abschluss eines Liederabends gesungen. Ich finde es wichtig, zeitgenössische Musik in das Standardrepertoire einzubinden, weil man dadurch das Publikum heranführen kann.
Aus österreichischer Sicht hat Ihr Debüt bei den Salzburger Festspielen im Sommer 2006 als Mozarts "Zaide" Ihrer Karriere einen kräftigen Schub gegeben. Sehen Sie das auch so?
ERDMANN: Ganz sicher ist das so, denn auf Salzburg schaut ja jeder.
Kehren Sie nach Ihrem Triumph als Ännchen in dem von Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky inszenierten "Freischütz" von Carl Maria von Weber an das Theater an der Wien zurück?
ERDMANN: Ich hoffe sehr, aber es ist bisher nichts geplant.
Wann geben Sie endlich Ihr Debüt an der Wiener Staatsoper?
ERDMANN: Bald, im kommenden Jahr. Mit einer tollen Partie, die ich schon gesungen habe.
In Berlin haben Sie gerade als Alban Bergs "Lulu" debütiert. Bleibt Mozart, dem Sie Ihr erstes Soloalbum gewidmet haben, dennoch zentral in Ihrem Repertoire?
ERDMANN: Die Susanna in "Figaros Hochzeit" singe ich jetzt an der Met in New York und in Baden-Baden. Sehr gerne würde ich einmal die Ilia im "Idomeneo" singen. Ich sehe mich als lyrischen Sopran mit Koloraturfähigkeit.
Sie leben derzeit in Zürich, sollen sich aber in New York eine Wohnung gekauft haben. Stimmt das denn?
ERDMANN: Ja, als zweiten Wohnsitz. Ich finde die Stadt phänomenal, und an der Metropoloitan Opera habe ich für diese und die nächste Saison Verträge. INTERVIEW:
ERNST NAREDI-RAINER
Mojca Erdmann und Xavier de Maistre: Morgen, 19.45 Uhr, Stephaniensaal, Graz. Karten: Tel. (0 31 6) 82 24 55.
musikverein-graz.at
Features
Zur Person
Mojca Erdmann, geboren am 29. Dezember 1975 in Hamburg.
1997-2004: Ensemblemitglied der Komischen Oper Berlin.
2006: Debüt bei den Salzburger Festspielen. 2011 an der Metropolitan Opera in New York.
Erste Solo-CD: "Mozart's Garden" (Deutsche Grammophon).
















