Psalmenopulenz in Zeitenwenden
B-Dur-Überschwang à la Bernstein im Dom.
GRAZ. Eine Maiandacht von besonderem ästhetischen Reiz und hoffnungsfroher Verkündigung bescherten Domkapellmeister Joseph M. Doeller, sein Chor und das Domorchester im Grazer Dom. Psalmen in Vertonungen für hebräische, protestantische und katholische Liturgie begeisterten das atemlos lauschende Publikum.
Salomone Rossis "Adon 'Olam", einer der ersten großen an der Wende von der Renaissance zum Barock vom Rabbinat in Italien approbierten Psalmen für Mantua, vor 1630 komponiert, zeigte aufs Schönste achtstimmig den Einfluss von Claudio Monteverdi, dessen 112. Psalm "Beatus vir" raumfüllenden Wohllaut verströmte.
Nach dem herben lutherischen 23. Psalm von Heinrich Schütz ("Der Herr ist mein Hirt") öffneten Doellers feinfühlig geführte Gesangsstimmen dann einen Blick ins Paradies: Wolfgang Amadeus Mozarts Psalm 116 "Laudate Dominum" mit klassizistischer Eleganz der Soprankoloraturen (Jelena Radojcic). B-Dur-Überschwang endlich in Leonard Bernsteins "Chichester Psalms" (1965) mit Harfen und blitzendem Blech und delikaten Soli von Jelena Radojcic, Helena Sorokina und Andrejus Kalinovas.













