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    Zuletzt aktualisiert: 13.05.2012 um 21:05 UhrKommentare

    Raiffeisen: Die "Revolution" unterm Giebelkreuz

    Vier Vorstände scheiden aus, drei neue rücken nach: Bei Raiffeisen bricht eine neue Ära an. Die Geschichte hinter der Story? Man erwartet sich kräftigere geschäftliche Impulse.

    Martin Schaller, Markus Mair, Friedrich Lengger, Matthias Heinrich und Rainer Stelzer

    Foto © RaiffeisenMartin Schaller, Markus Mair, Friedrich Lengger, Matthias Heinrich und Rainer Stelzer

    Vier Abgänge im fünfköpfigen Raiffeisen-Vorstand: Viel umfassender hätte die Zeitenwende unter dem steirischen Giebelkreuz nicht ausfallen können. Gemessen an den gediegenen Karriereplanungen dieses Hauses gleicht das Sesselrücken einer Revolution. Über mögliche Hintergründe wird spekuliert.

    Klar ist die Sache in zwei Fällen: Treasury-Vorstand Arndt Hallmann wechselt zur Sparkasse Düsseldorf, Vize-Generaldirektor Friedrich Lengger geht mit Auslaufen seines Fünfjahresvertrages Ende Mai 2013 schlicht in Pension. Allerdings waren die Vorstandsverträge synchronisiert. Es hätten also auch die beiden Vorstände Hans Jauk (zuständig für Kommerzkunden und Leasing) sowie Martin Jeindl (Privatkunden, Bankstellenbetreuung, Immobilien) noch bis Mitte 2013 bleiben können.

    Doch es kam anders. Jeindl und Jauk haben "Auflösungsvereinbarungen" unterschrieben und verlassen dieser Tage die Bank - wenige Monate vor Auslaufen ihrer Verträge. In der RLB-Presseaussendung werden sie weder für irgendwelche Erfolge gelobt noch steht vermerkt, dass sie "auf eigenen Wunsch" ausscheiden. Die dürre Wendung "im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat" ist alles - dieses Einvernehmen ist aber sowieso der Minimalfall bei einem Vorstandsabgang.

    Eine gewisse Unzufriedenheit mit den Geschäftserfolgen dürfte mitgespielt haben. Einige Großkunden wanderten ab, bei Konkursen wurde Geld verloren. Vom neuen Vorstandsteam wird ein deutliches Durchstarten erwartet. Von den Lebensläufen her handelt es sich jedenfalls um Schwergewichte.

    Den Anfang macht der Norddeutsche Matthias Heinrich, der per 1. Juni als RLB-Vorstand für Risiko und Finanzen beginnt. Er hat Erfahrung bei deutschen Genossenschaftsbanken, war Risikomanager bei der Hypo Vereinsbank und zuletzt bei der Banco Santander in Madrid. Dazwischen werkte der 49-Jährige als Unternehmensberater. Privat hat er Österreich-Bezug: Er hat in Innsbruck Betriebswirtschaft studiert, die Familie seiner Frau stammt aus Leogang (Salzburg). Im letzten Winter verbrachte Heinrich 23 Skitage im Salzburgischen, ein weiteres Hobby ist Fotografieren. "Und ich beschäftige mich gerne mit meiner sechsjährigen Tochter." Die geht in München zur Schule, die Übersiedelung nach Graz steht aber bevor.

    Ab 1. Juli stößt der neue Marktvorstand Rainer Stelzer zur RLB. Er arbeitete seit 1997 bei der Oberbank und baute deren bayerischen Ableger auf. Bis vor einigen Wochen habe er "überhaupt keine Veränderungsgelüste verspürt", dann kam der Ruf nach Graz. Ab August wird Stelzer, der in einer Musikkapelle Flügelhorn spielt, mit Familie (Frau und zwei Buben, acht und sechs Jahre alt) nach Graz übersiedeln. Ab 1. Oktober folgt Treasury-Vorstand Martin Schaller. Er hat Handelswissenschaft, Politikwissenschaft und Publizistik studiert und kommt vorerst allein nach Graz. Seine Frau und zwei jüngere Kinder folgen im nächsten Jahr, zwei ältere Kinder studieren bereits. Gute Chancen auf einen Vorstandsposten dürfte auch der Grazer Martin Stotter haben, der vorerst in die "erweiterte Geschäftsleitung" der RLB avanciert.

    ERNST SITTINGER

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