Wiederbetätigung: Viele Fragen und keine Antworten
Franz Radl, die Zentralfigur im Grazer Neonazi-Prozess hat es am Donnerstag abgelehnt, die Fragen des Gerichtes zu beantworten. Das Verfahren wird am Montag mit Zeugenaussagen fortgesetzt.

Foto © APADie Angeklagten am Donnerstag im Straflandesgericht
"Herr Radl, bitte", ruft Richter Raimund Frei den Hauptangeklagten im Grazer Wiederbetätigungsprozess auf. "Sie haben verstanden, was Ihnen vorgeworfen wird?" - "Nicht ganz." Er verstehe nicht ganz, was ihm unterstellt werde. "Die Fakten erkenne ich selbstverständlich an", räumt der Oststeirer ein. Er habe aber nicht die Absicht gehabt, gegen das Verbotsgesetz zu verstoßen. "Selbstverständlich" stehe er zu seiner "nationalen Gesinnung", versichert er.
Flugblätter
Fragen wolle er aber nicht beantworten, sagt er, nachdem er sich beim Richter vergewissert hat, dass das sein Recht ist. Auch keine Fragen zu seiner Person, auch keine Fragen zur Präzisierung durch Staatsanwalt Johannes Winklhofer, stellt er mit gleichbleibend sanfter Stimme klar. "Schade, ich habe eine Menge Fragen vorbereitet", bedauert der Richter. Radl wird Wiederbetätigung in Zusammenhang mit einer rechtsradikalen Homepage, Flugblättern, CDs und Pickerl-Klebeaktionen in der Nähe von Schulen vorgeworfen.
Der letzte Angeklagte ist ein heute 22-jähriger Maturaschüler, der im Besitz einschlägiger Pickerln war. Er habe sie aber nie geklebt, versichert er. Auch wenn er aus Trieben, "anscheinend eine Punker-Stadt", eine SMS an einen anderen Angeklagten geschickt hat, er sei "gerade beim Kleben". In seinem Zimmer fand die Polizei auch zwei Teleskop-Schlagstöcke, einen Schlagring, ein Klappmesser, CDs, eine NS-Flagge und eine Fahne mit der "schwarzen Sonne" (rechtsradikales Symbol) mit der Aufschrift "Sturm 18". "Was heißt das?", fragt der Richter. - "Das ist eine Rechtsrock-Band." 18 stehe für den ersten und achten Buchstaben im Alphabet: Adolf Hitler.
Heute ist er nach "schwerer Kindheit" und Ausflügen in den Links- und Rechtsextremismus, von denen er sich distanziert hat, einfach Matura-Schüler. Warum er das belastende Material nicht weggeworfen hat, fragt Staatsanwalt Johannes Winklhofer. "Ich weiß nicht. Weil ich monatelang nichts weggeworfen habe." Die Beamten haben sein Zimmer als "total vermüllt" beschrieben. Das Verfahren wird am Montag mit Zeugenaussagen fortgesetzt.
















