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Zuletzt aktualisiert: 09.05.2012 um 09:57 UhrKommentare

Medizinische Sensationen im LKH Graz

Auch in Graz wurde Medizingeschichte geschrieben: von revolutionären Eingriffen durch die Nase bis zu Herzoperationen auf Leben und Tod.

Foto © APA/Musterbild

Tagsüber arbeitete der junge Mediziner Heinz Stammberger in den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts als "klassischer" HNO-Chirurg: mit alten OP-Techniken, die große Narben hinterließen und für die man schon ab und zu die ganze Nase wegklappen musste.

Abends filmte er für den damaligen HNO-Chef Walter Messerklinger, der erste Versuche mit optischen Röhrchen (Endoskope) machte, über die er OP-Instrumente in die Nase einführte.

Aus diesen Erfahrungen entwarf Stammberger ein Konzept, das ihm Weltruhm einbrachte. Seine Methode eines Eingriffs, der nicht mit Schädeldecken- oder Kieferöffnung einhergeht, sondern bei der man mit kleinen, beweglichen Endoskopen Instrumente und eine Kamera in die Nasenlöcher einführt und sich so in die Nebenhöhlen, in die Schädelbasis oder sogar bis ins Schädelinnere vorwagen kann.

Patienten aus aller Welt

Heute kommen nicht nur Patienten aus aller Welt - eine hochrangige Persönlichkeit aus Saudi-Arabien wird gerade behandelt - nach Graz, sondern auch Spezialisten, die sich hier ausbilden lassen. "Seit den 80er-Jahren waren über 4000 Ärzte hier, Operationen wurden live in die besten US-Kliniken übertragen. Beim letzten Kongress waren 1400 Teilnehmer in Österreich, die Uniklinik Graz gilt als das ,Mekka' in der endoskopischen Nebenhöhlen- und Schädelbasischirurgie."

Stammberger legt Wert darauf, dass die von ihm erfundene Technik heute eine Teamarbeit sei. Die Neurochirurgen kamen genauso wie die Radiologen an Bord. Mit der Weiterentwicklung waren nicht nur Polypen oder eitrige Erkrankungen der Nebenhöhlen im Visier. Hirnabszesse, Unfallfolgen werden ebenso patientenschonend operiert wie Tumore. Diese werden millimetergenau vermessen und exakt über spezielle Navigationsgeräte aufgespürt, ehe man sie entfernt.

Künstliches Klapotetz-Herz

Karlheinz Tscheliessnigg assistierte 1984 bei der ersten Herztransplantation in Graz. "Der Patient hat 42 Tage überlebt und ist dann an Herpes und der Abstoßung gestorben. Deshalb hat man mich zwei Jahre nach Stanford, ins Zentrum der Transplantationsmedizin geschickt, damit wir alles neu aufbauen."

1986 transplantierte Tscheliessnigg bereits fünf Herzen in Graz - erfolgreich. 1990 setzte er einem Patienten erstmals in Österreich ein Kunstherz ein. Es war damals der längste Kunstherzeinsatz weltweit. Noch mit seinem Kunstherz besuchte dieser Patient übrigens eine Jubiläumsveranstaltung der Transplantationsabteilung. Die damalige Landesrätin Waltraud Klasnic hielt die Rede und fragte zwischendurch sichtlich genervt, was denn hier so komisch klinge? Naja, das Rätsel war schnell gelöst. Das Kunstherz wurde über Pressluft betrieben und klapperte störend. Tscheliessnigg im O-Ton: "Das ist der erste steirische Herz-Klapotetz." Dreieinhalb Jahre dauerte es übrigens, bis der Patient ein geeignetes Spenderherz bekam. Und: Er lebt nach wie vor.

Lebensretter in Gefahr

Weltweit erstmals setzte Tscheliessnigg mit seinem Team außerdem eine Operation um, bei der mit technischer Hilfe die Pumpfunktion des Herzens stark verbessert wird. "Am Vormittag ringt er noch im Bett nach Luft, nachmittags kann er nach der OP in den zweiten Stock gehen."

Es war eine wilde Zeit, in der Tscheliessnigg die Transplantationsmedizin nach Graz brachte. Der Heimflug aus einer europäischen Stadt, in der er eine Leber für einen Steirer entnehmen musste, sorgt heute noch für ein mulmiges Gefühl bei ihm. "Beim Rückflug nach Graz gab's zuerst keine Landeerlaubnis, weil man wegen des Nebels keine 30 Meter gesehen hat. Wir landeten mit vollem Risiko trotzdem, sonst wäre der Patient gestorben."

Natürlich kam es nicht immer zum Happy End: Einem Steirer, an dem erfolgreich eine spezielle OP-Technik angewandt wurde - über das Herz wird ein Rückenmuskel gelegt und ein Spezialschrittmacher eingesetzt - hatte später einen Unfall. In einem anderen steirischen Spital wurde er falsch behandelt, der Spezialschrittmacher fiel aus - hirntot.

Wie großartig aber am LKH- Uniklinikum gearbeitet wird, zeigt die letzte Geschichte von 2010: Ein Bub überlebte 544 Tage mit einem Kunstherz - ein Apparat so groß wie ein Kopiergerät mit Leitungen, zwei Pumpen, darauf ein Laptop, darin Hightech. Erst dann wurde ein geeignetes Spenderherz gefunden. Das Team um den Herzchirurgen Igor Knez rettet dem kleinen, achtjährigen Lukas das Leben.

DIDI HUBMANN

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