IWF will Position von Weltraummüll auf Meter genau vermessen
An einer Methode, die Umlaufbahnen von Weltraum-Müllteilchen genauer zu vermessen und damit Kollisionen mit Satelliten zu vermeiden, arbeitet das Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Graz.

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Wird ein Müllobjekt mit einem enorm starken Laser beschossen, können Reflexe auch in anderen Bodenstationen empfangen und so die räumliche Position ermittelt werden. Die Position könne auf wenige Meter genau eruiert werden, hieß es am Montag in einer Mitteilung des IWF.
Geschätzte 500.000 Teilchen von einer Größe über einem Quadratzentimeter umkreisen die Erde und stellen eine Gefahr für aktive Satelliten und die bemannte Weltraumfahrt dar. Seit Mitte der 1950er-Jahre wurden tausende Raketen und Satelliten in eine Erdumlaufbahn gebracht, die im Laufe der Zeit zerfallen und in ständig zunehmenden Zahl im All als Weltraummüll ihre Bahnen ziehen. "Immer wieder werden Satelliten getroffen, die dadurch beschädigt oder gänzlich außer Betrieb gesetzt werden", sagte IWF-Mitarbeiter Georg Kirchner der APA. Mittels Radiodetektion, wie sie bisher schon angewandt wird, können die Teile zwar verortet werden, allerdings liege die Genauigkeit im Kilometerbereich.
Bis zu zwei Millimeter genau
Die Laserstation am Observatorium Graz-Lustbühel vermisst hingegen schon seit Jahren mit Hilfe von schwachen, aber sehr kurzen Laserpulsen, die Entfernung von Satelliten bis zu zwei Millimeter genau. Dieser Laserstrahl war aber zu schwach, als dass Reflexe des Strahls auch in anderen Bodenstationen empfangen werden konnten. Dies wird nun durch die leihweise Überlassung eines extrem starken Lasergerätes durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Stuttgart ermöglicht. "Einzelne Photonen, die auf die Oberfläche eines in 800 Kilometer Höhe fliegenden Satelliten diffus reflektiert wurden, konnten auch von der Laserstation des Astronomischen Instituts der Universität Bern detektiert werden", schilderte Kirchner. Dadurch wird eine dreidimensionale und noch dazu bis auf wenige Meter genauere Ortung von Flugobjekten im Raum möglich.
Und das macht die Methode für die Positionsbestimmung von Weltraummüll interessant: Die exaktere Berechnung ihrer Position könnte letztlich viele Ausweichmanöver von Satelliten, die die Lebenszeit massiv verringern - und sich im Nachhinein oftmals als unnötig herausstellen -, vermeiden. Wenn die Bahnen entsprechend genau bekannt sind, könnten sogar kleine Müllteile durch gezielten Laserbeschuss etwas abgebremst werden, wodurch sie ihre Umlaufbahn verändern, in die Erdatmosphäre eintreten und dort rasch verglühen, so die Vision von Kirchner.
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Weltraummüll
Unter Weltraummüll, auch als Weltraumschrott bezeichnet, versteht man nichtfunktionale künstliche Objekte in einer Umlaufbahn, aber auch Trümmerteile, die nach einem Wiedereintritt die Erdoberfläche erreichen.
Laut Modellen, wie zum Beispiel MASTER-2005 (Meteoroid and Space Debris Terrestrial Environment Reference) von der ESA, befinden sich über 600.000 Objekte mit einem Durchmesser größer als 1 cm in Umlaufbahnen um die Erde. Nur ein Bruchteil davon, etwa 13.000 Objekte, kann mithilfe des US-amerikanischen Space-Surveillance-Systems kontinuierlich beobachtet werden.
Im Jahr 1996 sollen sich nach ESA-Daten rund 8.500 Stücke größerer künstlicher Objekte im Erdorbit befunden haben. Das Joint Space Operations Center des United States Strategic Command weiß 2009 von über 18.500 vom Menschen hergestellten Himmelskörpern.
Im Rahmen von Weltraummüll-Messkampagnen werden mit Radaranlagen und Teleskopen sporadische Messungen durchgeführt. Hierbei können Objekte bis hinunter zu einem Durchmesser von 2 mm (durch Goldstone-Radarbeobachtungen) im Low Earth Orbit (LEO) und bis zu 10 cm (durch das ESA Space Debris Telescope am Teide-Observatorium auf Teneriffa) im Geostationären Orbit (GEO) detektiert werden. Solche Beobachtungen werden zur Validierung von Weltraummüll-Modellen wie MASTER verwendet. Eine weitere Quelle für Informationen über die Weltraummüllumgebung sind zurückgeführte Satellitenoberflächen. Dazu zählen unter anderem die Solarzellen des Hubble-Weltraumteleskops. Auf letzteren wurde eine Vielzahl an Einschlagkratern erfasst und ausgewertet. Spektroskopische Analysen ermöglichten Rückschlüsse auf die Zusammensetzung und somit mögliche Quellen der eingeschlagenen Objekte.
Quelle: Wikipedia














