Ein fest verstrickter Lendwirbel
Stricken, Shoppen, Schunkeln am Samstag. Der zweite Festivaltag im Lendviertel beweist: Das sind Feiertage für alle Geschmäcker. Aber bitte erst nachmittags.
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Vielleicht hat die Eröffnungssause am Freitag länger gedauert als gedacht. Vielleicht ist es auch einfach nur das spezielle, verlangsamte Zeitgefühl der gelassenen Lendwirbler, aber: Der zweite Festivaltag am Samstag im In-Viertel von Graz nimmt nur sehr gemächlich Gestalt an.
Volksgarten, elf Uhr, nervöses Vogelgezwitscher und Sonnenschein. Das Human Knitting - also das menschliche Stricken - sollte beginnen, doch erst viele, viele Minuten später taucht endlich ein überirdisch großes Wollknäuel auf. Menschen werden damit umwickelt, darin eingedreht, klettern unter und über die Schnüre, die sich immer verworrener um die Gruppe spannen. Ein wirkliches Ergebnis scheint die Körper-Kunst nicht zu haben, bräuchte sie aber ohnehin nicht, sagt Alexandros Efstathiadis, Projektleiter. "Es geht beim Human Knitting weder ums Gewinnen noch Verlieren, sondern darum, miteinander zu arbeiten, den anderen zu folgen."
Wolfgang Oeggl, Markus Jeschaunig und Stefan Waidacher werkeln auch, aber mit konkretem Ziel. Sie bauen einen Triumphbogen am Mariahilferplatz, "ein Monument zu Ehren der Konsumgesellschaft", sagen sie. Steht das Gerüst, wird es mit Altbrot gefüllt, ein Mahnmal inmitten des ausgelassenen Grätzelfestes.
Die neue Lendlust
Ob alberner Spaß oder ernste Kunst, erlaubt ist am fünften Lendwirbel wie immer alles. Das Programm vom 4. bis 13. Mai wird gemeinsam erstellt, jeder soll sich auf seine Weise, mit seinen Ideen oder wie am Flohmarkt in der Annenstraße zumindest mit seinen nicht mehr benötigten Gebrauchsgegenständen einbringen. So belebt war die einstige Lieblingseinkaufsstraße der Grazer wohl ewig nicht mehr, alle wuseln mit ihrem Gekauften glücklich über den Asphalt.
Doch kein Vergleich zu dem, was sich bereits eine Stunde nach Erklingen der ersten Töne im Schlagergarten Gloria tut. Den Festivalgängern scheint 14 Uhr mehr zu behagen, die sehr passend gekleideten Lendwirbler besetzen bereits fast alle Bierbänke oder liegen im Gras. Im Hintergrund dudeln die alten Klassiker aus der Zeit der Eltern, die bei der Blockparty plötzlich so gar nicht mehr peinlich sind.

















