Neues Gerät an Uniklinik macht künstliche Beatmung sichtbar
Österreichweit erstes Gerät: Elektronische Impedanztomografie soll Beatmungsmonitoring bei Kindern optimieren.
Die kontinuierliche Überwachung der maschinellen Beatmung und ihre Auswirkungen in der Lunge macht ein neues High-Tech-Gerät am LKH-Uniklinikum Graz möglich: Es kann mit Hilfe der sogenannten elektrischen Impedanztomografie (EIT) am Patientenbett in Echtzeit Schichtbilder der arbeitenden Lunge eines Menschen erstellen. Ärzte können damit sofort erkennen, was eine geänderte Einstellung am Beatmungsgerät in der Lunge bewirkt, hieß es am Donnerstag bei der Präsentation des österreichweit ersten Gerätes dieser Art.
Lungenareale
Der Druck eines Beatmungsgeräts kann vielfach höher sein als bei normaler Atmung und birgt das Risiko, Lungenbereiche zu überdehnen. Zu niedrig eingestellter Druck am Ende eines Atemzugs wiederum kann Lungenareale in sich zusammenfallen lassen. Beides kann den Heilungsprozess eines Intensivpatienten behindern. Mit der neuen Maschine, das bis zu 50 Bilder pro Sekunde produziert, kann der Arzt die Auswirkungen der Intensivbeatmung nunmehr direkt mitverfolgen. Das neue bildgebende System kommt ohne Zuhilfenahme von Strahlung oder Magnetfelder aus. Es nutzt den physikalischen Effekt, dass sich mit dem Luftgehalt im Brustkorb auch der elektrische Widerstand im Körper verändert: Je mehr Luft das Lungengewebe enthält, desto größer ist die Impedanz. Um diese zu messen, wird der Brustkorb des Patienten umlaufend mit 16 Elektroden bestückt. Jeweils ein Elektrodenpaar dient dazu, eine sehr kleine Strommenge in den Körper einzuspeisen, an den restlichen Elektrodenpaaren werden die daraus resultierenden Spannungen gemessen.
Durch kontinuierliche Messungen könne die Verteilung der Ventilation in der Lunge sowohl zeitlich als auch räumlich ermittelt werden, schilderte Erich Sorantin von der Klinischen Abteilung für Kinderradiologie an der Grazer Uniklinik für Radiologie. "Buchstäblich kann man auf diese Weise Menschen beim Atmen zusehen", so Gerfried Zobel, Leiter der Intensivstation der Uniklinik für Kinder- und Jugendheilkunde. Aus seiner Sicht ist diese neue Methode der nichtinvasiven Untersuchung am Patientenbett besonders in der pädiatrischen Intensivmedizin von Vorteil. Die Beatmung könne optimal an die kleinen Patienten angepasst werden und die Auswirkungen der Veränderungen an den Einstellungen des Beatmungsgeräts sofort und in Echtzeit überprüft werden.
U.a soll das Gerät (PulmoVista 500) des Lübecker Medizintechnik-Herstellers Dräger bei Kindern mit chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma Bronchiale oder zystischer Fibrose eingesetzt werden. "Wir erwarten uns neue Einblicke und Erkenntnisse über den Verlauf dieser Erkrankungen und das Ansprechen auf die Therapie. Das ist auch vom wissenschaftlichen Standpunkt interessant", so Sorantin. Finanziert wurde die Anschaffung aus dem Forschungsbudget der Med-Uni Graz.















