Turbulenzen um das neue Alkoholverbot
Proteste gegen Ausweitung des Alkoholverbots in der Innenstadt, das wegen einer Panne erst heute in Kraft tritt. Vandalen schütteten Stadtparkpavillon mit Müll zu.

Foto © Marija KanizajDas ausgeweitete Alkoholverbot sorgte am Mittwoch für heiße Diskussionen
Die Bierdosen und anderes blieben verdeckt, als die ersten Stammgäste gestern früh beim Billa-Eck Stellung bezogen. Bis sich rasch die Kunde verbreitete, dass das flächendeckende Alkoholverbot in der Innenstadt (wir berichteten am Dienstag) erst einen Tag später als vom Bürgermeisteramt angekündigt in Kraft tritt. Man hat schlicht die Verlautbarung vergessen. Was gestern dann auf elektronischem Weg nachgeholt wurde.
Zu Mittag herrschte am Billa-Eck Betrieb wie gewohnt, vielleicht in etwas stärkerer Besetzung und mit mehr Emotion in den Gesprächen. Emotionen ließ auch eine offensichtlich in Zusammenhang mit dem Alkoholverbot stehende Aktion im Stadtpark hochgehen. "Das ist doch unglaublich, was im Stadtpark-Pavillon über den 1. Mai passiert ist", empörte sich gestern eine Leserin am Telefon.
Tatsächlich: Der Boden des vergitterten Pavillons war gestern übersät mit leeren Dosen, Flaschen und anderem Müll. Offensichtlich haben unbekannte Vandalen Mistkübel samt Inhalt in den Pavillon geworfen. "Das dürfte eine gesteuerte Aktion gewesen sein. Ein etwas anderer Beitrag einer Gruppe zum 1. Mai", ärgerte sich Thomas Rajakovics, Sprecher von Bürgermeister Siegfried Nagl.
Mit dem Verteilen von Rumkugeln an Passanten protestierten gestern die Grazer Grünen gegen das Alkoholverbot. "Weil sich der Bürgermeister vor ein paar Trinkern am Rande des Hauptplatzes fürchtet, dürfen wir jetzt alle kein Bier mehr am Eisernen Tor, beim Joanneum oder am Schloßbergplatz trinken", kritisiert Grünen-Gemeinderat Stefan Schneider. Problem werde mit diesem Verbot keines gelöst, es werde nur verlagert.
Den Stadtparkpavillon wählte auch der Grazer Künstler Erwin Stefanie Posarnig mit anderen Künstlerkollegen als Ort für eine Intervention im öffentlichen Raum. "Verbote als Vorboten" überschreibt er diese Kunstaktion, mit der er gegen die Einschränkungen protestiert. Am Absperrgitter des Pavillons hat er eine Tafel mit dem Text "Die endgültigen Verbote stehen noch nicht fest" in verschiedenen Sprachen angebracht. Und im Pavillon selbst wurden verschiedene Plüschtiere auf dem Boden verteilt. Die in der Vorwoche angebrachte Installation war rasch wieder entfernt. "Wohl von irgendwem von der Stadt. Ich mache aber wieder etwas", versichert Posarnig.













