Jantscher: "Mein Vater wäre stolz auf mich"
Der Grazer Jakob Jantscher spricht über den Freitod seines Vaters, böse Gedanken, seine Familie und seinen sportlichen Höhenflug bei Salzburg: "Er hätte noch so viel mit mir erleben können."

Foto © GEPAJakob Jantscher
Sechs Tore in den jüngsten sechs Bewerbspielen. Jakob Jantscher ist derzeit nicht zu stoppen, führt die Torschützenliste der Bundesliga mit 14 Treffern an und schoss Salzburg zuletzt ins Cup-Finale. Für den 23-Jährigen könnte es kaum besser laufen. Das war aber nicht immer so. Das Leben hat sich im Oktober 2011 von seiner finsteren Seite präsentiert. Jakob Jantscher musste sich mit dem Freitod seines Vaters auseinandersetzen.
Nach jedem Tor blicken Sie zum Himmel...
Jakob Jantscher: ...und denke, dass mein Papa stolz auf mich sein kann. Er ist es sicher auch.
Ihr Vater war Ihre erste Bezugsperson?
Jantscher: Wir waren immer zu zweit unterwegs. Er war immer dabei, bei allen Verhandlungen, bei allen Spielen. Er fuhr sogar nach Belgrad zu meinem ersten Länderspiel. Er war aber auch mein härtester Kritiker. Er hat gesagt: Wenn du erwachsen wirst, bist du ein guter Fußballer.
Und ganz plötzlich mussten Sie erwachsen sein.
Jantscher: Ich war gerade noch ein Jugendlicher, der sich nicht all zu viele Gedanken gemacht hat. Und dann musst von heute auf morgen erwachsen sein und für die Familie sorgen. Mein Papa hat die Studien meiner Geschwister finanziert, hat Versicherungen und alle diese Dinge bezahlt. Ich hatte mich damit nie beschäftigt. Und plötzlich musste ich Verantwortung übernehmen. Ich bin in eine andere Rolle geschlüpft und sehr schnell reifer geworden.
Ist solch ein Schock überhaupt zu verkraften?
Jantscher: Wir als Familie haben uns gegenseitig Rückhalt gegeben. Das war immens wichtig. Meine Familie musste in Graz alles erledigen. Ich hatte es leichter, habe mich beim Training ablenken können. Ich war aber auch froh, dass meine Verlobte da war. In Salzburg allein in der Wohnung wäre ich vielleicht auf blöde Gedanken gekommen.
Gibt es diese blöden Gedanken noch immer?
Jantscher: Es war ein Abend auf den Malediven, als ich unschöne Gedanken hatte. Dann erinnerte ich mich schnell an Papa und dachte: er hätte mit seinem Buben noch so viel Erleben können. Ich weiß, er ist stolz auf mich, das hilft.
Versuchen Sie das Geschehene zu verstehen? Kann man es überhaupt verstehen?
Jantscher: Damals, als das mit Adam Ledwon passiert ist, dachte ich mir: So etwas wird mir nie passieren. Leider ist es geschehen. Ich denke, dass man dies nie verstehen kann. Ich habe ein Buch über Suizid gelesen. Das gibt Einblicke, aber verstehen wird man so etwas nie können. Es wird ein Bestandteil meines Lebens bleiben. Was für mich nichts Negatives ist, weil so, Papa immer in Erinnerung bleibt.
Können Sie noch Spaß haben?
Jantscher: Ich bin ein lustiger Vogel, ein offener, frecher Typ. Ich will mich nicht viel verändern. Ja, ich bin reifer geworden. Und ja, ich kann noch lachen.
Mit einem Lächeln dürfen Sie derzeit auch auf Ihre aktuelle Form blicken. Es hat den Anschein als würden Sie Salzburg zum Double schießen.
Jantscher: Das ist auch unsere Zielsetzung. Mein Tor gegen Hartberg freut mich persönlich, aber wichtig ist, dass wir als Mannschaft weitergekommen sind.
Kann man die Salzburger Truppe überhaupt als Mannschaft bezeichnen?
Jantscher: Die Stimmung war nie schlecht. Zuletzt ist der Zusammenhalt aber besser geworden.
Wie sieht ihre Zukunft aus?
Jantscher: Ich habe in Salzburg noch bis 2014 Vertrag. Und es gibt hier noch einiges zu tun und zu erreichen. In der Champions League zu spielen, wäre schon schön.













