Im Zeichen großer und visionärer Mutproben
Großer Respekt ist absolut angebracht: Der Spielplan des Schauspielhauses Graz ist reich an Wagnissen und an spannenden Projekten, die auf ein Theater der Visionen hoffen lassen.

Foto © Jürgen Fuchs
An sich wäre es ja ein fast unfairer Vergleich, gäbe es da nicht einen klaren Außenseiter-Sieg. Während Burgherr Matthias Hartmann in der kommenden Saison das Hauptaugenmerk dem soliden, unterhaltsamen Stückestoff von der Stange schenkt, liefert Anna Badora den lobenswerten Beweis, dass "lebendiges Theater" noch nicht zur Worthülse verkommen ist.
"Es schmeckt nach Zeitenwende, in allen Bereichen, damit sind auch wieder Utopien möglich", sagte die Intendantin bei der Präsentation des Spielplans für die nächste Saison und liefert für ihre überaus mutigen Vorhaben auch eine schlüssige Klammer: Abstürze, Aufbrüche, Durchbrüche, Suche nach Neuland, nicht nur auf der Bühne.
"Kollateralschäden"
Dies belegt schon der Auftakt: Viktor Bodó realisiert Franz Kafkas Romanfragment "Amerika", gefolgt von weiteren Inszenierungen, fernab jeglicher biederer Stadttheater-Ambitionen. Yael Ronen verknüpft in "Hakoah Wien" die Geschichte der Auslöschung des legendären Wiener Sportvereins mit ihrer Familiengeschichte und der Auswanderung nach Tel Aviv. Rascher als andere zugegriffen haben Anna Badora und ihr Dramaturgenteam bei der Musical-Version von Petro Almodóvars "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs", ein Spektakel, das 2010 auf dem Broadway seine viel bejubelte Uraufführung erlebte.
"Kollateralschäden" in jeder Hinsicht in den Mittelpunkt rücken will Peter Konwitschny, der Goethes "Faust I" und "Faust II" verdichtet; Udo Samel wird den Mephisto spielen. Mit großer Spannung erwartet werden darf auch Christiane Pohles Bühnenversion von Thomas Bernhards "Der Untergeher", zumal hier einer der derzeit besten Regisseurinnen des deutschsprachigen Raums in Graz inszeniert.
Anna Badora will die "Orestie" von Aischylos in ein neues Licht rücken, zwischendurch ist auch für Starglanz gesorgt: Henrik Ibsens "John Gabriel Borkman" bringt Helmuth Lohner, Heribert Sasse, Andrea Jonasson und Nicole Heesters nach Graz.
Das Grazer TiB ist mit einer weiteren Uraufführung präsent, Viktor Bodó will ein zweites, großartig klingendes Projekt starten (hier gibt es noch Finanzierungsfragen): "The Last Man in Europe" versteht sich als Theater-Wanderzirkus quer durch Europa, bei jeder Station, sei es in Italien, Griechenland, Israel oder Deutschland, soll das Werk inhaltlich und durch Akteure erweitert und ausgebaut werden. Theater als Abenteuer, hier wird es gelebt und erlebbar gemacht.
















