Lena Hoschek: Neuer Firmensitz in Meidling
Lena Hoschek, die Grazer Designerin, die mit ihrem hinreißend weiblichen Retro-Stil Frauen "richtig Frau sein" lassen will, ist jetzt eine halbe Wienerin: In der Längenfeldgasse eröffnete Hoschek am Donnerstag ihren neuen Firmensitz.

Foto © KANIZAJ | Archivbild
Donnerstagabend hat die couragierte Modemacherin, die 2006 mit 24 Jahren ihr eigenes Modelabel gegründet hat, mit einem Cocktailempfang ihren neuen Firmensitz in Meidling eingeweiht. "Graz und Wien teilen sich meine Liebe", strahlte die Designerin anlässlich der Eröffnung.
An der Adresse Längenfeldgasse 27, die jetzt u.a. Lena Hoscheks Atelier beheimatet, hat Mode eine lange Tradition: Das vom Architekten Ernst Epstein 1922/23 errichtete Industriegebäude an der Ecke zur Flurschützstraße wurde einst für die Strickwarenfabrik P.M. Glaser gebaut. "Wien ist meine zweite Lieblingsstadt. Ich habe auch hier studiert", sagte Hoschek, eine Absolventin der Wiener Modeschule Hetzendorf, im Interview mit der APA. Graz, wo sie am Joanneumring - wie auch in Wien-Neubau sowie in Berlin - ein eigenes Geschäft betreibt, sei Heimatstadt und weiter Hauptwohnsitz, Wien "meine liebste Metropole" und Sitz der GmbH.
500 Quadratmeter
Die fast 500 Quadratmeter umfassenden Räumlichkeiten auf zwei Etagen, die zuletzt schon recht heruntergekommen waren, hat Lena Hoschek nach einigen Grundrenovierungsarbeiten durch den Hausherren mit viel Eigeneinsatz adaptiert. "Deshalb sehen meine Hände so grauslich aus. Für die Einrichtung habe ich nur knapp einen Monat Zeit gehabt." Viel dunkles Holz - wuchtige Tische, Wandtäfelungen, im Eck' ein Sekretär - und stilechte Accessoires wie bunte Hutschachteln machen den Gang durchs Atelier, in dem künftig Kundinnen nach Terminvereinbarung empfangen werden, zu einer Zeitreise.
Wie ihre Kollektionen reflektieren die Räumlichkeiten die Leidenschaft der Steirerin für Filmstars der 50er Jahre, überliefertes Handwerk und nostalgische Muster. Die Assistenzzeit im Londoner Studio der britischen Punk-Mode-Queen Vivienne Westwood hat aber auch Spuren hinterlassen: in Form von peppigen Details und einer Vorliebe für Rock-Chic und Tattoos. Die Kleider sind sexy Hommagen an das Pin-up-Girl, die mit einem Schuss Ironie und der Betonung von Busen und Taille weibliche Kurven in der schmeichelnden Sanduhrform, mit Tülllagen und schwingenden Röcken zur Geltung bringen.
"Maszschneiderei"
"Ich habe endlich eine Schneiderei, die groß genug ist, um lange Trachten- und schöne Hochzeitskleider zu machen", schwärmte Hoschek. Ihr Anliegen sei "die ganz hochwertige Maszschneiderei, altmodisch mit 'sz'". "Hochzeitskleider machen am meisten Spaß, abgesehen von den Kollektionen. Es macht Freude, für jemanden ein Kleid zu entwerfen, der verliebt ist. Das ist eine der dankbarsten Aufgaben." Heiraten sei aber "fast schon unromantisch geworden. Ich bin bekanntlich Nostalgikerin und sehr altmodisch und damit gar nicht einverstanden." Deshalb bietet sie Details wie handgestickte Initialen - "alles, was man, wenn man heiratet, sonst vergeblich sucht". Lena Hoschek ist unbestritten mit viel Herzblut bei der Sache. "Früher habe ich sogar einen Blutstropfen von mir ins Logo eingestickt. Man sticht sich ja sowieso immer."
Tradition, Handarbeit und Nachhaltigkeit, diese Werte hätten Zukunft, sagte Thomas Kirchgrabner, Chefdesigner des Wiener Pelzhauses Liska, wo er auch eine limitierte, nach Maß gefertigte Avantgarde-Kollektion entwirft. Den Stil seiner Kollegin finde er "erfrischend. Ich mag den Look sehr gern und fühle mich sehr wohl hier. Wien war einmal eine der Modehauptstädte. Heute ist Wien keine Trendstadt, aber Kultur und Handwerk haben Bestand. Deshalb war der Schritt von Lena wichtig", sagte Kirchgrabner gegenüber der APA.


















