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Zuletzt aktualisiert: 26.04.2012 um 21:00 UhrKommentare

"Eine Reform ohne Ärzte gibt es nicht"

Herwig Lindner, der neue Präsident der Ärztekammer, über Reformblockierer, Qualitätsverluste und Zauberlehrlinge.

Neuer Ärztekammerpräsident Herwig Lindner: keine Reform ohne Ärzte

Foto © KANIZAJ Neuer Ärztekammerpräsident Herwig Lindner: keine Reform ohne Ärzte

Gratulation zu Ihrer Wahl zum Präsidenten der steirischen Ärztekammer. Herrscht jetzt Friede zwischen Spitals- und niedergelassenen Ärzten?

HERWIG LINDNER: Probleme sind entstanden, weil sich eine Drehtürmedizin entwickelt hat. Alle sind ins Spital, die Ambulanzen sind überfüllt. Die Abstimmung zwischen den Niedergelassenen und Spitälern hat nicht gepasst.

Wie soll das gelöst werden?

LINDNER: Wir müssen die Zusammenarbeit verbessern: Die Öffnungszeiten der niedergelassenen Ärzte verlängern, gleichzeitig Gruppenpraxen ohne finanzielle Abschläge ermöglichen. Von der Uniklinik bis zum Allgemeinmediziner müssen Aufgaben definiert sein. Und der Patient kann nicht dorthin laufen, wo es ihm gefällt. Auch ein eigener Kindernotfalldienst für Graz wäre wichtig. Aber bisher hätten wir alles gratis machen sollen.

Aber die Ärzte haben sich bei Lösungsversuchen quergelegt.

LINDNER: Überall, wo gearbeitet wird, kann es Meinungsunterschiede geben - auch bei den Ärzten. Und: Ja, sinnvolle Reformen wurden blockiert. Das wird sich ändern. Aber: Nicht nur die Ärzte sind schuld. Sie sind nicht der Stand der Verweigerer, schauen Sie nur, welches Spiel die Kassen spielen.

Bei der Gesundheitsreform dürfen die Ärzte nicht mehr mitreden.

LINDNER: Eine Gesundheitsreform ohne Ärzte wird es nicht geben. Ohne Ärzte wird das scheitern.

Gibt es konstruktive Vorschläge von Ihrer Seite?

LINDNER: Dass es Reformen geben muss, ist klar. Es kann aber nicht sein, dass man drei Milliarden - wie im Sparpaket geplant - abzieht. Bei den niedergelassenen Ärzten werden Stellen gestrichen, in Spitälern Abteilungen geschlossen: Das soll ohne Qualitätsverlust ablaufen? Das glaubt keiner! Machen wir doch ein Reformprojekt mit Ärztezentren und Gruppenpraxen in einer steirischen Region. Schauen wir, was es kostet, was es bringt.

Was ist Ihr wichtigstes Anliegen bei den Spitalsärzten?

LINDNER: Die Arbeitsbedingungen haben sich dramatisch verschlechtert. Unsere Forderung: Kein Dienst soll mehr als 24 Stunden dauern!

Würden Sie auch für eine Ambulanzgebühr plädieren?

LINDNER: Ja. Und wenn der Patient sich nur von einem Professor behandeln lassen will, kann man auch einen Aufschlag andenken.

Was halten Sie vom regionalen Spitals-Strukturplan?

LINDNER: Ein paar Bereiche müssen geändert werden. Wenn wir wie Zauberlehrlinge an Schrauben drehen, von denen wir nicht wissen, was sie auslösen, ist das ein gefährliches Spiel.

Kann man das System so steuern, wie es die Politik vorhat: Die Gesundheitskosten sollen nur noch in der Höhe des Wirtschaftswachstums steigen.

LINDNER: Nein. Wir erleben und überleben immer mehr Krankheiten. Das geht doch so nicht: Leute, ihr dürft nur noch in einem bestimmten Ausmaß krank werden.

Hat unser Gesundheitssystem noch eine gute Qualität?

LINDNER: Laut Weltgesundheitsorganisation sind wir weltweit guter Neunter. Wenn wir jetzt nichts tun, sind wir bald 29..

INTERVIEW: DIDI HUBMANN, BERND OLBRICH


Fakten

Herwig Lindner wurde am 27. November 1962 in Murau geboren. Der Spitalsarzt (Infektiologie/Innere Medizin) ist seit 1994 in der Ärztekammer aktiv. Lindner ist Vater zweier Söhne und leidenschaftlicher Bergwanderer. Als Ärztekammer-Präsident steht Lindner einer großen Koalition mit unterschiedlichen Interessen vor.

Fakten

"Bei den niedergelassenen Ärzten werden Stellen abgebaut, in Spitälern Abteilungen geschlossen. Das soll ohne Qualitätsverlust ablaufen? Das glaubt doch keiner!"
Herwig Lindner, Ärztekammer-Präsident

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"Peter Rosegger - original"- in der Landesbibliothek 

"Peter Rosegger - original"- in der Landesbibliothek

 

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