Nicht-Suche nach der Nummer 2

Foto © GERNOT EDER Ihre Beliebtheitswerte bei Umfragen sind nach wie vor sehr hoch: Gesundheitslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder (ÖVP)
Offiziell gibt es keine Personalspekulationen in den beiden Regierungsparteien SPÖ und ÖVP. Die Reformpartnerschaft funktioniert bestens, findet man dort. Dass weder FPÖ noch die Opposition im Landtag fantasievoll genug ist, die Regierung zu verunsichern oder gar ins Wanken zu bringen, wird mit Genugtuung registriert. Also alles in Butter?
Ganz so ruhig, wie es scheint, ist es in Wahrheit nicht. In beiden Parteien wird intern in kleinen Zirkeln debattiert. Aber jeder Diskutant ist extrem vorsichtig, keiner will sich als potenzieller Nestbeschmutzer erwischen lassen. Wobei die Roten in einer wesentlich komfortableren Situation sind: Solange Franz Voves Landeshauptmann ist - und vor allem solange er es bleiben will -, gibt es nicht viel zu spekulieren. Voves selbst ist dabei der größte Unsicherheitsfaktor: Bis heute hat er weder gesagt, dass er bis zur Wahl 2015 bleiben werde, noch dass er bei dieser Wahl wieder antreten wolle.
Und nur dieser Punkt ist es, der mitunter zu Spekulationen führt. Denn vor einiger Zeit hatte Voves seine Finanzlandesrätin - er hat Bettina Vollath in die Politik geholt - in einer Weise gelobt, dass man das als Nachfolgeempfehlung interpretieren konnte. Vielen in der Partei gefiele das, auch die aktuelle OGM-Umfrage im Auftrag der Kleinen Zeitung zeigt sie als Nummer zwei in der Beliebtheitsskala der roten Regierer. Aber die echten, in der Wolle gefärbten Roten können mit der Quereinsteigerin nur wenig anfangen, sie würden eher auf das alte Schlachtross Siegfried Schrittwieser setzen. Aber solange Voves bleibt, sind das keine echten Überlegungen.
Ganz anders die Situation in der ÖVP, hier gibt es andere Gründe zu diskutieren. Denn es ist mit der SPÖ schriftlich vereinbart, dass zur Halbzeit der Legislaturperiode, also Mitte kommenden Jahres, die Funktion des Landtagspräsidenten gewechselt wird. Derzeit amtiert dort Ex-Landesrat Manfred Wegscheider (SPÖ), dann geht die Funktion an die ÖVP. Gedacht war das als Hilfsmittel für den Umbau der schwarzen Regierungsmannschaft: Der Sessel sollte an Hermann Schützenhöfer gehen, um seinen Platz in der Regierung freizumachen. Beste Chancen, den früheren ÖAAB-Obmann zu beerben, hat der aktuelle ÖAAB-Chef, Landtagsklubobmann Christopher Drexler.
Die Frage freilich, wer als Spitzenkandidat in die Wahl 2015 gehen sollte, ist damit nicht beantwortet und führt in den Führungszirkeln immer wieder zu entsprechenden Tuscheleien. Aber wie bei der SPÖ will sich auch hier keiner bei derartigen Spekulationen erwischen lassen.
Quasi logische Spitzenkandidatin könnte Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder sein. Laut Umfrage ist sie bei den Wählern eindeutig die Beliebteste, liegt sogar knapp vor Parteichef Schützenhöfer. In ihren Ressorts Gesundheit und Pflege ist sie mehr als fleißig, die konsequente Umsetzung der Sparbudgets schafft freilich nicht gerade Freunde in den betroffenen Gemeinden. In der Öffentlichkeit ringt es aber Respekt ab.
Da es parteiintern aber weniger um Beliebtheiten geht als um Macht und Einfluss, ist die theoretische Nachfolgefrage nicht einmal im Ansatz entschieden. Und sowohl Edlinger als auch alle anderen ins Spiel gebrachten Kandidaten wie Agrarlandesrat Hans Seitinger oder der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl hüten sich, diese Frage zu stellen. Denn es besteht die Gefahr, eine Antwort zu bekommen.

















