Betrunken in die Psychiatrie
In Grazer Spitälern schlägt man Alarm: Immer öfter halten Betrunkene, die noch dazu randalieren, den gesamten medizinischen Apparat auf Trab.

Foto © Jürgen Fuchs
Am Anfang steht ein nächtlicher Anruf bei der Rettung, am Ende ein überlastetes Personal in der Notaufnahme und der Akutpsychiatrie. "Betrunkene werden immer mehr zum Problem für die Krankenhäuser, auch weil sie oft in ihrem Zustand randalieren", sagt SPÖ-Gesundheitsstadtrat Michael Großmann.
Das Problem: Wenn die Rettung jemanden in die Notaufnahme bringt, sind die Krankenhäuser verpflichtet, denjenigen medizinisch genau zu untersuchen - eine Prozedur, die sich nur wenige in ihrem Vollrausch gefallen lassen. Viele beginnen zu randalieren und landen in der Akutpsychiatrie in der Sigmund Freud-Klinik.
"Da läuft der gesamte medizinische und hoch spezialisierte Apparat an. Dafür, dass diese Menschen in Wahrheit nur einen Platz zum Schlafen und Ausnüchtern brauchen", schüttelt Martin Kurz, Leiter des Zentrums für Suchtmedizin an der Landesnervenklinik Sigmund Freud, den Kopf. Seine Forderung, die auch die Kollegen in anderen Krankenhäusern teilen: "Es braucht eine niederschwellige Möglichkeit, wo sich die Betroffenen ausschlafen können." In deutschen Großstädten etwa sei dies längst der Fall.
Überwacht müssen die Betrunkenen zwar werden, denn die alten Ausnüchterungszellen bei der Polizei wurden nicht zuletzt deswegen aufgelassen, "weil Menschen dort gestorben sind", weiß Kurz. Aber es braucht nicht den gesamten Krankenhausapparat im Hintergrund.
Grossmann lädt daher im Mai alle Betroffenen zu einem runden Tisch. Vertreter der Politik, der Krankenhäuser, der Rettung und der Sozialeinrichtungen werden nach einer Lösung suchen.
Und die wird immer dringlicher, denn, so Kurz, "es werden immer mehr. Momentan bekommen wir jede Nacht ein bis zwei Betrunkene, die in der Akutpsychiatrie eine Nacht schlafen und dann wieder heimgehen".

















