"Sie haben versucht, mich zu töten"
Wieder ganz gesund zu werden ist der größte Wunsch des Grazers (69), der bei einem Raubüberfall vor drei Wochen beinahe umgebracht worden wäre. Jetzt spricht er erstmals über die brutale Tat.

Foto © Rainer Brinskelle
Mit behutsamen Schritten tappst der 69-Jährige in seinem dunkelblauen Bademantel durch den Krankenhausflur, Arm in Arm mit seiner Lebensgefährtin (66), die ihn liebevoll stützt. Für alle Beteiligten ist das ein kleines Wunder: Erst vor drei Wochen war der Grazer auf dem Nachhauseweg vom Flohmarkt beim Center West, wo er Uhren und Schmuck angeboten hatte, von mehreren Rumänen überfallen und fast zu Tode geprügelt worden.
Noch immer muss der gelernte Schneider stationär behandelt werden. Die 15 Rippenbrüche und sechs Frakturen von Wirbelquerfortsätzen heilen langsam aus. Die inneren Verletzungen machen dem 69-Jährigen aber noch immer schwer zu schaffen. "Am Tag geht es mir zufriedenstellend", erzählt der Pensionist im Gespräch mit der Kleinen Zeitung, "aber in der Nacht habe ich große Schmerzen. Wenn es ruhig ist, schlafe ich höchstens zwei bis drei Stunden durch." Vor allem mit der Lunge habe es schlecht ausgeschaut. "Im rechten Lungenflügel war ein halber Liter Flüssigkeit gemischt mit Blut, links ein bisschen weniger. Auf beiden Seiten musste ich punktiert werden.
Verdächtige Männer
An den Tag der Tat hat das Opfer noch "sehr genaue Erinnerungen". Gegen 12.15 Uhr war der Hobby-Flohmarktstandler mit seinem Postfahrrad auf dem Verbindungsweg vom Center West zur Kärntnerstraße unterwegs - wo er erwartet wurde. "Zwei junge Männer haben an ihren Rädern herumgemurkst, sie sind mir gleich verdächtig vorgekommen. Ich habe noch überlegt, die Polizei anzurufen." Sofort brachten sie den Pensionisten samt Rad zu Fall und zerrten ihn in einen Gestrüpphaufen. "Gerade an dem Tag hatte ich mein Alarmgerät, das ein lautes Pfeifsignal abgibt, wenn man es aus der Halterung zieht, nicht mit", bedauert der Grazer.
Auf brutalste Weise prügelten die beiden Rumänen auf ihr Opfer ein. "Ich habe um Hilfe gerufen, das hat sie erst richtig wütend gemacht. Die haben meinen Kopf in die Erde gedrückt, bis ich bewusstlos war. Sie haben versucht, mich zu töten", ist sich der 69-Jährige sicher. Als er wieder zu sich kam, stand ein junger Mann vor ihm. "Ich hatte Angst, weil ich geglaubt habe, das ist ein Täter." Tatsächlich handelte es sich um einen Anrainer, der zu Hilfe geeilt war.
"Halbwegs gesund werden" ist der größte Wunsch des lebensfrohen Mannes. "Mit meiner Lebensgefährtin will ich auch in Zukunft um die Welt reisen." Noch zwei Wochen vor dem Überfall hatte das Paar Indien bereist. "Ob ich je wieder am Flohmarkt ausstellen werde, weiß ich nicht. Auf jeden Fall würde ich dann eine Route wählen, wo mehr Leute sind. Überhaupt werde ich vorsichtiger sein, wenn ich alleine unterwegs bin."
Die mutmaßlichen Täter - allesamt Rumänen - befinden sich wie berichtet in Haft. Neben den drei Ausführenden im Alter von 20, 24 und 26 Jahren auch der angebliche Auftraggeber (68). Seinen Landsmännern soll er erzählt haben, dass sie Schmuck im Wert von einer Million Euro erbeuten könnten. Möglicherweise gingen die Täter deshalb so brutal vor. Tatsächlich war die Beute nur einige Tausend Euro wert.
















