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    Zuletzt aktualisiert: 10.04.2012 um 05:55 UhrKommentare

    Wenn Balkoniens Blumen blühen

    Im Blumenhandel sind Balkonblumen im Moment der große Renner. Dahinter tobt ein Kampf um das kundenfreundlichste Angebot zwischen Gärtnern, Fachmärkten und Diskontern.

    Vor allem in den ländlichen Regionen der Steiermark blühen die Balkone oft in den buntesten Farben

    Foto © SABINE HOFFMANNVor allem in den ländlichen Regionen der Steiermark blühen die Balkone oft in den buntesten Farben

    Draußen auf dem Parkplatz werden Regenschirme hektisch fluchend aufgespannt, drinnen knarrt das Dach des Glashauses leise und schließt behutsam die letzten Lücken. Ende Jänner hat Helmut Friedl in seiner Grazer Gärtnerei die ersten Stecklinge angesetzt, in knapp zwei Wochen sollen die fertigen Begonien und Surfinien blühend in den Verkauf gehen. Jetzt werden die zarten Pflanzen noch von Stäbchen gestützt, damit sie nicht aufliegen und faul werden. Auf die behutsame Atmosphäre im Glashaus ist Gärtner- und Floristenmeister Friedl stolz: "Wir begleiten den gesamten Produktionsvorgang der Blumen, können also zu jeder Pflanze eine Geschichte erzählen." Einem Schmunzeln ob der gar pathetischen Wortwahl folgt die Erklärung des Chefs von etwa 20 Mitarbeitern: "Wir protokollieren, wann sie gegossen worden sind, wann wir beheizt haben, wie wir die Blumen pflegen. Bei uns weiß der Kunde, woran er ist."

    "Farbe muss kräftig sein"

    Familie Zaufal, Graz: "Uns ist wichtig, dass wir Blumen kaufen, die lange blühen - im Fachmarkt haben wir da sehr viel Auswahl. Im Garten setzen wir nichts mehr, weil die Schnecken immer alles aufgefressen haben. Am Fensterbankerl gehört sich's aber schon."
    Stefanie Schantl und Hermann Hasenhütl, Graz: "Wir haben sieben Balkonkisterln und setzen dort meistens Begonien und Surfinien hinein. Blumen kaufen wir bei unterschiedlichen Verkäufern. Eine besondere Lieblingsfarbe haben wir nicht, aber kräftig soll sie schon sein."
    Doria und Nicolas Pfob, Graz: "Wir wählen in erster Linie nach der Farbe aus und greifen meistens jedes Jahr auf ähnliche Blumen für den Balkon zurück. Deswegen ist eine große Auswahl nicht unbedingt notwendig. Lilafarbene Blumen sind bei uns eigentlich immer dabei. Von den Gattungen gefallen uns Immergrün und Lavendel besonders gut."

    Der Kunde selbst hat aufgrund der vielen sonnigen Tage in den letzten Wochen Gusto auf einen blumigen Balkon bekommen. Trotzdem stagnierte in den letzten Jahren in diesem Segment das Geschäft von Helmut Friedl. "Früher haben wir oft für einen Kunden 20 Kisten bepflanzt und verkauft. Jetzt sind es höchstens noch 15." Zwei Faktoren schmerzen besonders: Zum einen gäbe es, so Friedl, ein "Generationenproblem". Das heißt, junge Erwachsene wollen heute nicht mehr in die pflegeintensiven Balkonblumen investieren. Zum anderen läuft viel Verkauf über "branchenfremden Handel". Balkonblumen kann man heute auch schon bei Diskontern wie Hofer oder Spar kaufen.

    Oder bei Bellaflora, einem Gartenfachmarkt, dem Gärtner-Diskonter-Zwitter. Auch dort riecht es beim Schlendern durch die Verkaufshallen ähnlich gut wie in der Gärtnerei Friedl. Verkaufsfläche und Blumenangebot sind aber größer, die Zielgruppe eine etwas leichter bedienbare. Eingekauftes wandert schnell in den bereitgestellten Einkaufswagen, im Sortiment findet man etwa bei den Beet- und Balkonblumen bereits vorausgewählte "Fünferkombinationen". Ein "Fix-Fertig-Paket", wie Helga Saurugger, im Verkauf unter anderem für Sommerblumen zuständig, lächelnd erzählt. Die Verkaufsidee klappt österreichweit sehr gut, in der Steiermark sogar noch etwas besser. So hatte der Grazer Standort des oberösterreichischen Unternehmens im März die höchsten Verkaufszahlen aller österreichischen Standorte.

    Nicht wirklich in die Blumen-Karten will man sich bei den klassischen Diskontern blicken lassen. Denen wird von den Gartenbetrieben vorgeworfen, die Blumen nur als "Lockmittel" anzubieten. So heißt es von Spar Steiermark: "Die Kunden nehmen das Service sehr gerne an, Umsätze in Detailsortimenten geben wir aber nicht bekannt."

    MARKUS ZOTTLER

    Fakten

    Angelika Grienschgl ist vom Verband steirischer Gärtner und Baumschulen.

    1. Wer kauft die Blumen für den hauseigenen Balkon eigentlich noch direkt bei den Gärtnern?

    ANGELIKA GRIENSCHGL: Noch immer mehr als 50 Prozent der Leute. Weil viele Blumenliebhaber nach wie vor zu dem Betrieb gehen, der die Heranzucht der Pflanzen vollständig begleitet. Aber natürlich haben die Gärtner in den letzten Jahren vermehrt Konkurrenz bekommen - etwa von Baumärkten oder den Gartenfachmärkten.

    2. Was treibt so viele Steirer an, sich Jahr für Jahr den Luxus zu leisten, ihren Balkon oder ihr Gartenbeet mit Blumen zu bepflanzen?

    GRIENSCHGL: Blumen bringen einfach ein Wohlgefühl, und das ist vielen Menschen wichtig. Außerdem können Blumen Farbe und Natürlichkeit ins eigene Leben bringen.

    3. Ist das klassische, bunt bepflanzte Balkonkisterl wirklich ein Auslaufmodell?

    GRIENSCHGL: Es wird zumindest weniger stark nachgefragt. Weil die Leute keine Zeit mehr für die Pflege haben. Dafür vertrauen viel mehr Menschen auf Gefäßpflanzen auf der Terrasse oder vor der Haustüre. Auch Kräutergewächse sind stark im Kommen.

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