Schmerzliche Schönheit von Vittorio Ghielmi
Sardische Volksgesänge und hochartifizielle Responsorien von Gesualdo zum Karfreitag.

Foto © PSALM Ein exzellenter Gambist: Vittorio Ghielmi
GRAZ. Drei höchst unterschiedliche stilistische Welten verknüpfte das "Psalm"-Festival zu einer ebenso kontraststarken wie doch geschlossenen, weil durchwegs von schmerzlicher Schönheit geprägten musikalischen Karfreitags-Andacht.
Vor dem mit Kerzen erhellten Birken-Wäldchen in der Helmut-List-Halle lieferten der exzellente Mailänder Gambist Vittorio Ghielmi und die nahezu vibratolos singende argentinische Sopranistin Graciela Gibelli die Verbindungselemente und gleichzeitig die ältesten Beiträge: einstimmige gregorianische Antiphonen.
Die Intensität, mit der sie dargeboten wurden, entsprach der Inbrunst, mit der das Ensemble "Cuncordu de Orosei" sardische Gesänge zur Karfreitagsprozession anstimmte. Vier Herren, durchwegs Besitzer charaktervoller Naturstimmen, bildeten mit Körperkontakt einen Kreis, um ausdrucksstark die traditionsreichen geistlichen Gesänge ihrer Heimat mit überraschen reicher Harmonik vorzutragen.
Noch viel höhere Ansprüche an die Intonationssicherheit stellte der kalabrische Renaissancekomponist Carlo Gesualdo in seinen 1611 gedruckten Responsorien zur Karwoche. Die sechs Mitglieder des von Walter Testolin gegründeten und geleiteten Vokalensembles "De Labyrintho" interpretierten diese chromatischen Exzesse mit überwältigender Expressivität. ERNST NAREDI-RAINER
















