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Zuletzt aktualisiert: 01.04.2012 um 21:15 UhrKommentare

Polizei befreite 15-Jährige aus Klagenfurter Bordell

Ein 15-jähriges Mädchen aus Rumänien wurde misshandelt, missbraucht und zur Prostitution gezwungen. Nun wurde sie von der Kärntner Polizei aus einem Bordell in Klagenfurt gerettet. Zuvor soll sie in einem Grazer Bordell gearbeitet haben.

Foto © APA

Es geschah mitten in Kärnten, und das nicht zum ersten Mal: Bei einer Razzia in einem Klagenfurter Bordell entdeckte die Polizei eine 15 Jahre alte Rumänin und befreite sie aus ihrer entsetzlichen Lage. Zugleich erhellte sie die Hintergründe derartiger Verbrechen.

Menschenhändler suchen gezielt nach Minderjährigen aus sozial schwachen Familien in Rumänien. Sobald ihnen die Mädchen ausgeliefert sind, werden sie vergewaltigt, geschlagen, bedroht und isoliert, bis sie aus Angst alles mit sich geschehen lassen. Sogar der letzte Ausweg einer Flucht wird ihnen verbaut mit dem Hinweis, österreichische Polizisten würden eng mit den Zuhältern zusammenarbeiten und sie bei einer Flucht oder einem Geständnis ihren Peinigern sofort wieder ausliefern.

Auch das jugendliche Alter der Opfer stellt für die herzlos-professionell vorgehenden Täter kein Problem dar: Häufig reisen die ausgebeuteten Jugendlichen mit Pässen von älteren Schwestern über die Grenzen.

Die Polizei glaubt, dass der Menschenhändler-Ring schon viele Minderjährige nach Kärnten entführt hat. In dieser Woche wird ein internationaler Haftbefehl gegen zwei Drahtzieher aus Rumänien ausgeschrieben.

Kärntner Kunden

Es gibt auch eine andere Seite des Verbrechens: Kunden der Zuhälter und damit Profiteure dieser Gewaltexzesse sind Männer in Kärntner Bordells. "Die Kunden verlangen nach immer jüngeren Mädchen", weiß Hermine Reisinger. Sie hat sich in den 1990er Jahren aus der Rotlichtszene befreien können und ihre Erfahrungen in dem Buch "Tote Kinderseele - Mein Weg zurück ins Leben" niedergeschrieben. "Natürlich reden sie die Männer heraus, sie hätten nicht gewusst, dass es sich um minderjährige Mädchen handelt. Aber genau das haben sie ja vorher bestellt."

Männer, die einmal in die Welt der Zwangsprostitution "reinschnuppern", kämen davon - wie bei einer Droge - nicht mehr los, "weil man da die Gewalt ausleben kann". Die Opfer ergeben sich in ihr Elend "und spinnen sich eine eigene Welt zusammen, wie sie eines Tages wieder frei werden". Doch es dauere lange, bis man Hilfe findet: "Wer legt sich denn mit einer Zuhälterbande an? Da geht es um Leben und Tod."

Bisher wurden Menschen wie die 15-Jährige wieder in ihr Herkunftsland abgeschoben. Dort warten schon die "Geschäftspartner" der Zuhälter. Reisinger: "Solange der Markt danach verlangt, wird sich nichts ändern."

JOCHEN BENDELE

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