Die Tour de Karlau
Das Radrennteam "Squadra Scappatella" lud zu einem ungewöhnlichen Fototermin - in die Grazer Justizanstalt Karlau. Handyverbot, Handschellen und Zellenhaus inklusive.

Foto © KLZ | Gernot Eder
Es war ein Fototermin der etwas anderen Art und - Hand aufs Herz - ein mulmiges Gefühl dabei der stetige Begleiter. So lud das "Squadra Scappatella"-Rad-Team zu einem Foto-Shooting. Aber nicht irgendwo in der verwöhnenden Natur - nein, ins Gefängnis. In die Grazer Karlau. Ein Werbegag? Reine Provokation? Wohl von beidem etwas. Der Hintergrund: Das UCI-Damen-Rennteam und die Herren des "Teams Vorarlberg" jagen heuer mit italienischen Scappa-Rädern Rundfahrtssiegen hinterher. Und "scappare" bedeutet so viel wie flüchten oder fliehen. Deswegen lautet das Team-Motto auch "Jailbreak your life" ("Brich aus deinem Leben aus"). Und deswegen ähneln die Dressen auch Sträflingskleidung - auf den Trikots abgebildete Ketten und Handschellen inklusive.
Der "Gag" hatte seine magnetisierende Wirkung nicht verfehlt. Gleich mehrere TV-Teams trabten zum Termin an. Gemeinsam mit den Athleten ging es ohne Handys (verboten!) durch Sicherheitsschleusen zuerst in den großen Innenhof und von dort Richtung Herz der Anstalt. Vorbei an Besucherräumen einen Gang entlang, an dessen Wänden von Häftlingen gemalte Bilder und Fußball-Poster der letzten Weltmeister-Mannschaften hängen, in das Zellenhaus.
S tets begleitet von Chefinspektor Herbert Rothschedl. Von den knapp 600 Insassen ("Wir haben Häftlinge aus 40 Nationen, die hier Strafen ab 18 Monaten aufwärts absitzen") ist niemand zu sehen. "Ab 15 Uhr haben wir Freizeitgestaltung, Laufkurse, Krafttraining, Sprach- und Computer-Kurse", erzählt der bärtige Inspektor, während im Hintergrund die Kameras surren.
Dass es eigentlich um die Präsentation eines Rad-Teams geht, verliert in dieser bedrückenden Umgebung schnell an Bedeutung. Die einen erzählen von ihren Saisonzielen wie der Flandern-Rundfahrt oder Olympia in London. Chefinspektor Rothschedl sagt: "Unser Ziel ist es, die Häftlinge wieder in die Gesellschaft zu integrieren."















