Die üblichen Heil-Rufe und ein sehr spätes Alibi
Prozess gegen acht Männer aus der rechten Szene: Einer präsentiert nach zwei Jahren ein Alibi. Der andere war überall dabei und hat nie etwas gesehen.
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War er, wie Zeugen meinen, der Anführer oder gar der "Leitwolf" einer Neonazi-Schlägertruppe? Im Jänner 2010 sollen die Raufbolde in einem Grazer Innenstadtlokal einen Studenten krankenhausreif geprügelt und dann in Juni auf dem Grazer Karmeliterplatz randaliert haben. "Nein!", versicherte der 24-jährige Jus-Student am Mittwoch Richter Raimund Frei. Zuvor fordert er sein Recht, eine "geschlossene Erklärung" abzugeben. "Nein", sagt da der Richter: "Ihre geschlossene Erklärung ergibt sich aus Ihren Antworten auf meine Fragen."
Provokation
Im Lokal sei ein ihm leider Unbekannter, der bei ihm am Tisch saß, nach einer Provokation mit einer Geburtstagsgesellschaft in Streit geraten, erinnert er sich schließlich. Er habe noch versucht zu schlichten. "Wer zugeschlagen hat, kann ich nicht sagen." "Heil Hitler!" habe keiner aus seiner Gruppe gerufen. Höchstens "Heil dir!". Aber das sei ja "ein üblicher Gruß in Studentenkreisen". - "Bei mir nicht. Bei Ihnen vielleicht", entgegnet der Richter. Möglicherweise hätten die anderen ihn und seine Freunde wegen der Haartracht als rechts eingestuft, wegen des Scheitels. "Da müssten ja fast alle hier rechts sein", sagt der Richter nach kurzer Scheitelprüfung im Saal zweifelnd. "Ich hab' keinen Scheitel mehr", meldet sich Staatsanwalt Johannes Winklhofer.
Zu rechtsradikalen Parolen beim Public Viewing auf dem Karmeliterplatz während des Matches Deutschland : Ghana will der Angeklagte "heute nichts sagen". Wie berichtet ist der Prozess wegen Wiederbetätigung im Mai angesetzt. Die Schlägerei mit einem Schwerverletzten hat er wieder nicht gesehen, nur den Grünen Abgeordneten Werner Kogler. "Ich hab' ihm mein Bier ins Gesicht geschüttet." - "Und sind Sie stolz darauf?", fragt der Richter. - "Entschuldigen werde ich mich nicht." Auf die Frage, ob seine Freundin etwas gesehen hat, sagt er: "Nach Rücksprache mit mir hat sie nichts gesehen."
Skurril
Der nächste Angeklagte (32) bestreitet, während der Schlägerei im Lokal überhaupt in Graz gewesen zu sein, obwohl ihn dort Zeugen erkannt haben. Er habe diesen Abend im Jänner 2010 mit seinen Schwiegereltern und seiner Frau in Stockerau verbracht. "Warum", fragt der Staatsanwalt, "haben Sie weder mir noch der Polizei zwei Jahre lang etwas von diesen Zeugen gesagt?" - "Es ist mein Recht, nichts zu sagen." Der Angeklagte findet es "skurril", wegen falscher Anschuldigungen angeklagt zu sein. "Nein, das ist Ihre Schuld!", erklärt der Richter. "Sie hätten etwas sagen können." - "Es ist mein Recht, nichts zu sagen."
Nachdem der Staatsanwalt ihm vorhält, das sehe so aus, als habe er zwei Jahre gebraucht, um ein Alibi zu konstruieren, bricht ein heftiges Wortgefecht mit der Verteidigerbank los. Der Anwalt des Angeklagten protestiert. "Das ist Ihre Verteidigung?", stichelt der Staatsanwalt. "Dafür haben Sie eine Ausbildung gebraucht?" - "Ich lasse mir von Ihnen nicht sagen, wie ich meine Arbeit zu machen habe." Ein anderer Verteidiger, Hans Lehofer, resümiert nach kurzer Abkühlungspause: "Wenn man bei Gericht nichts sagt, ist es immer schlecht. Nur zu viel darf man nicht sagen."
Der Prozess wird heute um neun Uhr fortgesetzt.















