Forscher fanden Erklärung für Entstehung von Herzfibrose
Experten der Medizinischen Universität Graz gehen davon aus, dass herzeigene Zellen und nicht wie bisher vermutet über das Blut eingewanderte Zellen die Quelle der Bindegewebsvermehrung sind.

Foto © HoffmannExperten der Medizinischen Universität fanden die Erklärung
Weltweit suchen Forscher nach Wegen, wie die Fibrosierung - die krankhafte Vermehrung von Bindegewebe - des Herzens verhindert werden kann. Experten der Medizinischen Universität Graz gehen davon aus, dass herzeigene Zellen und nicht wie bisher vermutet über das Blut eingewanderte Zellen die Quelle der Bindegewebsvermehrung sind.
Fatale Folgen
Die Folgen der Herzfibrose sind fatal: Das Herz wird in seinen biomechanischen Eigenschaften steifer, die Pumpfunktion schlechter und die Gefahr von Rhythmusstörungen steigt. Der genaue Ablauf des Prozesses, der u.a. auch bei Abstoßungsreaktionen nach einer Herztransplantation eintritt, sowie die Frage, woher die Bindegewebszellen kommen, ist in weiten Teilen jedoch noch unbekannt. Eine Hypothese ging davon aus, dass es sich um undifferenzierte Stammzellen handelt, die aus dem Knochenmark oder anderem Gewebe außerhalb des Herzens stammen, im Blut zirkulieren und sich in geschädigtem Herzgewebe in bindegewebsproduzierende Fibroplasten umwandeln. Gegenteilige Modelle fußen auf der Hypothese, dass die Fibroplasten ihren Ursprung im Herzen selbst haben.
Um dieses Rätsel zu lösen, wählten die Forscher der Uniklinik für Innere Medizin und des Instituts für Pathologie einen raffinierten Ansatz: Sie untersuchten Gewebeproben männlicher Transplantationspatienten, die das Herz einer Frau erhalten hatten. Da nur Männer ein Y-Chromosom besitzen, konnte lichtmikroskopisch unterschieden werden, ob eine untersuchte Zelle aus dem Bindegewebe des Spenders oder des Empfängers stammte. Die Auswertung ergab ein eindeutiges Bild: Bei den Transplantationspatienten waren weniger als 0,5 Prozent der Zellen des kardialen Bindegewebes in den untersuchten Proben Y-Chromosom-positiv. Es waren somit nur wenige Zellen des Empfängers in das weibliche Herz eingewandert. Wie Untersuchungen zeigten, handelte es sich dabei vor allem um Makrophagen, die bei entzündlichen Prozessen als Fresszellen eine wichtige Funktion im Immunsystem haben.
Wie die weitere Analyse der individuellen Genpolymorphismen der DNA zeigte, wurde in keiner einzigen Gewebeprobe ein Hinweis gefunden, dass Kollagen von eingewanderten Zellen in relevanten Mengen produziert wurde. "Unsere Daten zeigen, dass die Herzfibrose bei chronischen Abstoßungsreaktionen in transplantierten menschlichen Herzen ganz überwiegend von herzeigenen Fibroblasten verursacht wird", fasste der Studienautor und Molekularbiologe Martin Pichler die Ergebnisse zusammen. Die Umwandlung von ruhenden Fibroblasten oder Endothelzellen in bindegewebsproduzierende Fibroblasten wird durch verschiedene Signale hervorgerufen, die man zum Teil schon zu kennen glaubt. Ein interessanter Ansatz wäre es laut den Autoren, diese Signalwege zu blockieren.
















