Die Melancholie des Kommens und Gehens
"Kottan"-Regisseur Peter Patzak inszeniert erstmals eine Oper. Sein Debüt gibt er mit "Rita" von Donizetti beim Musikverein für Steiermark.

Foto © MARIJA KANIZAJ "Es wird quasi realistisch gespielt": Peter Patzak inszeniert mit Donizettis "Rita" erstmals eine Oper
A m 16. März hat Gaetano Donizettis "Rita" in Ihrer Regie in Graz Premiere. Ist das Ihre erste Operninszenierung?
PETER PATZAK: Ich lebe seit fünfzig Jahren im Milieu. Meine Mutter war eine enttäuschte Opernsängerin, die durch den Krieg aufgeben musste, und der weltberühmte Tenor Julius Patzak war mein Onkel. Aber ich habe nie zuvor bei einer Oper Regie geführt.
Was hat Sie an "Rita" gereizt?
PATZAK: Nicht das Stück, das ich gar nicht gekannt habe, sondern die Wiederbegegnung mit dem Ausstatter Frieder Klein, mit dem ich schon in den sechziger Jahren gearbeitet habe.
Welche szenische Lösung haben Sie für den in einem Gasthaus spielenden Einakter "Rita" ersonnen?
PATZAK: Es gibt einen Schmelztiegelplatz, und das ist die Ankunftshalle im Flughafen Schwechat, wo Rita ihr Beisel führt. Zu den drei singenden Akteuren auf der Bühne kommen Hunderte Menschen auf der realen Ebene von Kommen und Gehen. Ich habe zwölf Stunden in einem gedreht. Jede der acht Musiknummern hat ihre eigene Zeit und Atmosphäre, sowohl im virtuellen, gefilmten Raum im Hintergrund als auch auf der Bühne. Weil ich das Orchester auch zu Reisenden machen wollte, sitzen die Musiker mit ihrem Gepäck auf der Bühne. Durch eine Türe wechseln die Sänger von der gefilmten Wirklichkeit zur Bühnenwirklichkeit. Losgelöst von der Idee, wie er eingesetzt ist, hat dieser Film mit seiner melancholischen Poesie sogar etwas Magisches.
Im Gegensatz zu Ihren anderen Regiearbeiten können Sie in der Oper das Timing nicht selbst bestimmen. Ist das ein Problem?
PATZAK: Nein, das ist angenehm.
In Donizettis "Rita" werden die in französischer Originalsprache gesungenen Musiknummern durch deutsch gesprochene Dialoge verbunden. Haben Sie in den Sprech-text eingegriffen?
PATZAK: Ja, die Dialoge sind von mir komplett neu bearbeitet. Sie sind dadurch ein bisschen realistischer geworden.
Die Handlung von "Rita" könnte heute Widerspruch erregen, rät doch der erste Ehemann Ritas seinem Nachfolger, die Gattin regelmäßig zu verprügeln.
PATZAK: Das wird durch die Location, die Stilistik und die Bearbeitung der Zwischentexte ein bisschen abgefangen.
"Rita" neigt als Farce zur Übertreibung, die auch ein Charakteristikum Ihrer "Kottan"-Filme war. Wie dosieren Sie dieses Stilmittel?
PATZAK: Das ist ganz spannend: Letztlich habe ich mich gegen die Überhöhung entschieden. Es wird quasi realistisch gespielt.
Werden Sie bald wieder eine Oper inszenieren?
PATZAK: In Wirklichkeit geht es mir nur um die Frage, mit wem mache ich etwas und wie sind die besonderen Umstände?
Obwohl Sie auch malen, schreiben und Theater inszenieren, werden Sie stets mit Ihren "Kottan"-Filmen in Verbindung gebracht. Ist das unangenehm?
PATZAK: Damit muss ich leben, obwohl die "Kottan"-Periode nur zehn meiner fünfzig Arbeitsjahre ausmacht. "Kottan" hat, sagt man, Fernsehgeschichte geschrieben. Für mich war es meine freieste Zeit. INTERVIEW:
ERNST NAREDI-RAINER
"Rita" von Gaetano Donizetti: 16., 17. und 18. März, 19.45 Uhr, Kammermusiksaal im Grazer Congress. Karten: Tel. (0 31 6) 82 24 55.
















