Elina Garanca: Anspannung vor dem Comeback
Die weltweit gefeierte Mezzosopranistin Elina Garanca kehrt aus der Babypause zurück. Am Freitag singt sie beim Musikverein in Graz.

Foto © DG/HARALD HOFFMANN Sonderkonzert für den Musikverein für Steiermark: Elina Garana gibt am Freitag einen Liederabend
Haben Ihre Liederabende in Linz, Graz und Wien als erste Auftritte nach der Babypause besondere Bedeutung für Sie?
ELINA GARANCA: Ja, natürlich. Weil ich sieben Monate von der Bildfläche verschwunden war, bin ich jetzt schon sehr angespannt. Ich will beweisen, dass die Sängerin Garanca noch immer existiert.
Hat sich Ihre Stimme durch Ihre Schwangerschaft und die Geburt Ihrer Tochter Catherine Louise am 30. September 2011 verändert?
GARANCA: Schon, aber wie genau, das sollen das Publikum und die Kritiker entscheiden. Da bin ich schon gespannt, ob wir der gleichen Meinung sind.
Werden Sie wegen Ihrer Tochter Ihren Terminkalender in Hinkunft anders organisieren?
GARANCA: Sicher. Solange sie noch nicht zur Schule geht, wird es leichter sein, sie immer mitzunehmen. Aber weil mein Mann und ich als Musiker viel reisen, planen wir unsere Termine so, dass wir eine gewisse Zeit nicht nur zusammen, sondern zu Hause verbringen können. Die Zeit für die Familie war mir immer schon wichtig, jetzt hat sie noch weiter an Bedeutung gewonnen.
Warum enthält Ihre Homepage noch keine Informationen über Ihre künftigen Auftritte?
GARANCA: Weil die Webpage etwas verbessert wird und ich mir bis vor Kurzem nicht ganz sicher war, wann ich wirklich bereit bin, auf die Bühne zurückzukehren.
Wollen Sie dem Lied jetzt mehr Zeit widmen als früher?
GARANCA: Mit Liederabenden ist es nicht leicht, weil Konzertveranstalter viel später planen als die Opernhäuser. Wie auch immer: Es wird immer öfter auch Liederabende geben. Ich merke aber, dass der Liedgesang eine ganz andere Stimmführung benötigt. Deshalb will ich vermeiden, einen Liederabend mitten in einer Opernserie anzusetzen.
Gibt es Pläne für eine Lied-CD, die Ihnen ja noch fehlt?
GARANCA: Eine Lied-CD ist nur sehr schwer zu verkaufen, weil das Lied-Publikum viel kleiner ist als bei der Oper. Deswegen steht noch nichts fest. Aber ich habe ein paar Ideen, wie man das Lied-Repertoire in eine andere, etwas leichtere Form packen könnte.
Nach welchen Kriterien haben Sie das Programm für Ihr Grazer Konzert zusammengestellt?
GARANCA: Ich hatte einfach Lust, diese Lieder zu singen. Schumann und Strauss passen meiner Meinung nach sehr gut zu meiner Stimme. Das sind Werke, die ich schon gesungen habe und es mir ermöglichen, mit bekanntem Repertoire zurückzukehren.
Warum ist Ihnen Robert Schumanns Zyklus "Frauenliebe und -leben", den Sie bei Ihrem ersten Liederabend im Wiener Musikverein im April 2007 gesungen haben, besonders ans Herz gewachsen?
GARANCA: Ich liebe die Texte und die Musik. In jedem Alter versteht und interpretiert man den Text anders. Es ist ein sehr femininer Zyklus, in den ich mit jedem Jahr tiefer eindringen kann.
Geht gegenüber der Orchesterversion von Alban Bergs "Sieben frühen Liedern" in der Klavierfassung viel verloren?
GARANCA: Schon, weil das Orchester mehr Kraft und durch die vielen Instrumente mehr Farben hat. Aber in der Klavierfassung wird das Ganze viel intimer und man kann die Stimme und deren Nuancen deutlicher hören.
Sie beenden Ihr Grazer Programm mit einer Gruppe von Liedern von Richard Strauss, von dem auf der Bühne der "Rosenkavalier" zu Ihren Glanzrollen gehört. Sind weitere Strauss-Partien geplant?
GARANCA: Noch nicht, denn für die Klytämnestra in der "Elektra" habe ich noch etwas Zeit. Der Komponist in der "Ariadne" liegt für mich viel zu unbequem.
Mit einem Liederabend sind Sie heuer bei den ersten Salzburger Festspielen des neuen Intendanten Alexander Pereira vertreten. Wie weit reichen künftige Pläne?
GARANCA: Wir reden über mehrere Jahre und versuchen, das Beste für beide Seiten zu finden - was nicht leicht ist. Die Sommermonate sind die einzige Zeit, in denen die beiden Orchester, die mein Mann als Chefdirigent leitet, keine Konzerte haben. Daher wollen wir sie hauptsächlich privat nutzen. Aber wir suchen nach einer Möglichkeit, wie sich die Salzburger Festspiele und der Urlaub kombinieren lassen.
An die Wiener Staatsoper kehren Sie im April als "Rosenkavalier" und im Mai als Sesto in der Neuproduktion von Mozarts "Titus" zurück. Darf man in absehbarer Zukunft auch Rollendebüts von Ihnen in Wien erwarten?
GARANCA: Wir sind gerade dabei, etwas zu suchen. Es werden aber anderswo bald als neue Rollen Gaetano Donizettis "La Favorita", die Dido in den "Trojanern" von Hector Berlioz und die Sara in Donizettis "Roberto Devereux" kommen.
Liederabend Elina Garanca. 9. März, 19.45 Uhr, Stephaniensaal, Graz. Restkarten: Tel. (0 31 6) 82 24 55.
Features
Fakten
Elina Garanca, geb. 16. 9. 1976 in Riga (Lettland).
1999 Siegerin des Helin-Gesangswettbewerbs in Helsinki. 2003 Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper und Debüt bei den Salzburger Festspielen.
2006 Heirat mit dem Dirigenten Karel Mark Chichon.
2008 Debüt an der Metropolitan Opera in New York.
Jüngste CD: "Habanera" (Deutsche Grammophon).
















