MedUni sucht genetische Ursachen von Meningokokken-Infektionen
Europäische Gesellschaft für Infektionserkrankungen beteiligt sich an neuer Stiftungsprofessur.

Foto © Hoffmann
Krankheiten, die durch Bakterien vom Typ der Meningokokken verursacht werden, treten blitzartig auf und sind lebensbedrohlich: Ihre Folge sind Gehirnhautentzündungen oder eine Blutvergiftung, die rasch tödlich enden. An der Medizinischen Universität Graz wird ein Schwerpunkt zur Erforschung der genetischen Ursachen der Infektionserkrankung aufgebaut. Der Grazer Infektiologe und Pädiater Werner Zenz wurde mit einer Stiftungsprofessur betraut und ist für den österreichischen Teil eines groß angelegten europäischen Forschungsprojektes verantwortlich.
"Ein bis dato völlig gesundes Kind kann innerhalb weniger Stunden an einer Meningokokkeninfektion versterben", schilderte Werner Zenz von der Uniklinik für Kinder- und Jugendheilkunde im Gespräch mit der APA die möglichen Auswirkungen der zwar seltenen, aber sehr gefährlichen bakteriellen Infektionserkrankung. Sie betrifft rund eine von 100.000 Personen, verläuft aber oftmals letal: Im Vorjahr waren es laut der Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) 68 Erkrankungen und neun Todesfälle. Bei Kindern gab es laut dem Experten zwischen 2001 und 2008 gezählte 57 Fälle von Pneumokokkenminingitis, fünf sind daran gestorben, 16 zeigten nach sechs Monaten neurologische Spätschäden.
Wie internationale Wissenschafter unter Grazer Beteiligung bereits herausgefunden haben, scheinen Veränderungen in zwei Genen des menschlichen Erbguts für das Auftreten einer Meningokokken-Infektion verantwortlich zu sein. Die beiden Gene codieren Proteine des sogenannten Komplementsystems des menschlichen Immunsystems im Bereich des Faktor H (CFH) und des Faktor H (CFHR3). Kommt es in diesem Bereich zu genetischen Fehlern, können sich die Bakterien an die Proteine anbinden, wird vermutet. Das Immunsystem erkennt sie in der Folge nicht, die körpereigene Abwehr funktioniert nicht.
"Hier wollen wir jetzt im Rahmen eines EU-Projektes im Zuge von genomweiten Untersuchungen von Patienten weiterforschen. Die Stiftungsprofessur ermöglicht die volle Konzentration auf das Projekt", so Zenz. Die Mittel werden von der Europäischen Gesellschaft für kindliche Infektionserkrankungen (ESPID), dem Land Steiermark und der Stadt Graz zur Verfügung gestellt. Die europaweite Studie wird von Michael Levin vom Imperial College an St. Mary's Hospital in London geleitet und konzentriert sich auf das Genmaterial von Patienten aus England, Holland, Spanien, Deutschland und Österreich. Zenz hat die Koordination für die Spitäler in Österreich und Deutschland übernommen. Neben den genetischen Grundlagen der Meningokokkeninfektion soll die Fragestellung auch auf andere schwere bakterielle Infektionen von z.B. Pneumokokken, Staphylokokken und Streptokokken ausgeweitet werden, schilderte Zenz.

















